KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Ladenöffnungszeiten:
Packerl der SPÖ und ÖVP im Namen der Wirtschaft an die Handelsangestellten


Drei Tage vor Weihnachten haben SPÖ und ÖVP den vom Weihnachtsrummel schon völlig fertigen Handelsangestellten noch ein zünftiges Packerl unter den Weihnachtsbaum gelegt. Wenn ihre Chefs es wollen, dürfen die bald – bundesweit – ihre Geschäfte werktags in der Zeit von 6.00 bis 21.00 Uhr und samstags von 6.00 bis 18.00 Uhr bzw. wöchentlich statt bisher 66 Stunden nunmehr bis 72 Stunden offen halten. Und damit die Unternehmen schön billig mit ihrem Personal besser jonglieren können, gab’s gleich nach Sylvester einen Nachschlag. Der 10-Stunden-Tag ist passé! Zukünftig darf bis zu 12 Stunden täglich und bis zu 60 Stunden wöchentlich gearbeitet werden. Und wenn diese Mehrstunden zur normalen Arbeitszeit innerhalb von sechs Monaten ausgeglichen werden, müssen die Unternehmen keinen Cent an Überstundenzuschläge zahlen. Ist das nicht schön!

Dabei wissen alle schon seit Jahren, dass die langen Öffnungszeiten nicht die erträumten massiven Umsatzsteigerungen bringen. Und wenn mancher sich noch immer traut, von steigenden Arbeitsplätzen im Handel zu sprechen, dann lachen ihn sogar die Kinder aus. Denn jede/r weiß, dass fast jeder neue Arbeitsplatz im Handel eine geringfügig Beschäftigung oder ein Teilzeitarbeitplatz ist. Die Handelsangestellten aberhaben sowieso schon längst die Nase voll, weil für wenig im Börserl immer mehr verlangt, der Druck immer stärker wird.

Und wofür das alles?

Wie Umfragen immer wieder bestätigen braucht der Großteil der Konsumentinnen und Konsumenten die ausgeweiteten Öffnungszeiten nicht. Auch die meisten kleinen und mittleren Handelsbetriebe halten die derzeitige Regelung bei den Öffnungszeiten für mehr als ausreichend. In erster Linie sind es die großen Handelskonzerne und Betreiber von Einkaufzentren, die am liebsten Öffnungszeiten rund um die Uhr, und das an sieben Tagen in der Woche wollen.

Da sich die Kaufkraft der KonsumentInnen aber nicht durch Reallohnerhöhungen – siehe den erst kürzlich veröffentlichten Rechnungshofbericht – vermehrt, bringt die Ausweitung der Öffnungszeiten dem Handel nicht mehr Umsatz, sondern bedeutet nur einen verstärkten Konkurrenzkampf der großen Handelskonzerne untereinander, die Erhöhung ihrer Marktanteile auf Kosten der Klein- und Mittelbetriebe, der NahversorgerInnen und erhöht dadurch weiter den Wareneinheitsbrei.

Aber vielleicht geht es einfach nur um das: Zuerst arbeiten die Handelsangestellten sieben Tage die Woche, am Ende müssen alle rund um die Uhr der Wirtschaft zur Verfügung stehen!

Wieder einmal auf dem Rücken von Frauen

Hauptleidtragende der Ausweitung der Öffnungszeiten sind bekanntermaßen die Beschäftigten – von rund 320.000 Handelsangestellte sind ca. 250.000 (80 %) Frauen – im Handel. Bis heute hat sich großteils nichts daran geändert, dass die meisten Handelsangestellte vor und nach Arbeitsbeginn mindestens eine halbe Stunde umsonst arbeiten. Natürlich wird das von den Firmenleitungen abgestritten. Sie pochen darauf, dass genaue Arbeitsaufzeichnungen geführt werden, die die MitarbeiterInnen ja unterschreiben müssen. Außerdem argumentieren sie damit, dass ja für diese Zeiten – die es ja laut Aufzeichnungen eigentlich gar nicht gibt – längere Pausen abgehalten werden können. Das grenzt an Zynismus. Denn welche Frau, die auf den Job angewiesen ist, wird da nicht unterschreiben und nicht auf das verzichten, was ihr eigentlich zusteht. Denn natürlich werden diese gelobten Aufzeichnungen nur während der Öffnungszeiten geführt.

Dazu kommt, dass grundsätzlich gerade am Personal gespart wird. Sei es an der Anzahl der Angestellten, der Wochenarbeitszeit oder beim Gehalt. Immer mehr arbeiten im Handel unfreiwillig Teilzeit oder sind überhaupt nur geringfügig beschäftigt. Das bedeutet meist Arbeit zeitig in der Früh oder am Abend und am Wochenende. Dazu kommen auch oft kurzfristig angeordnete Mehrstunden, die gerade Frauen mit Kindern die Planung von Beruf und Familie erschweren.

Anstatt, dass sich die Verhandler von SPÖ und ÖVP anläßlich der Ausweitung der Ladenöffnungszeiten mal Gedanken über die Rahmenbedingungen von Handelsangestellte machen, wie zum Beispiel durchgehende Mindestarbeitszeiten, Mehrstundenzuschläge für Teilzeitbeschäftigte, die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auf Stundenbasis sowie einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und des öffentlichen Verkehrs, und hier Vereinbarungen treffen, gibt’s wieder nur Zuckerln für die Unternehmen. Durch die SPÖ-ÖVP-Vereinbarung betreffend 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche sowie des 6-monatigen Durchrechnungszeitraums wird es in Zukunft keine Überstundenzuschläge mehr geben! Dadurch muss weiterhin nur das Notwendigste an Personal eingestellt werden, und die müssen beim Ausverkauf, während dem Weihnachtsgeschäft oder schlicht, wenn eine Kollegin zum Beispiel krank wird, eben mehr Stunden arbeiten und irgendwie wird’s sich’s innerhalb von einem halben Jahr dann schon wieder ausgleichen.

Öffentlicher Verkehr und Kinderbetreuung

Neben dem steigenden Druck, den schlechten Arbeitsbedingungen und niedriger Entlohnung kommt noch für die meisten das Gfrett mit dem öffentlichen Verkehr. In der Früh und nach Ladenschluss fahren die Öffis in den Ballungszentren in größeren Intervallen und am Land ist es oft Glücksache, wenn frau Öffis in Anspruch nehmen kann.

Und das nächste Problem – die Kinderbetreuungseinrichtungen! Wie viele Frauen müssen mit der Unterstützung von Familienangehörigen, Freundinnen und Schicksalsgenossinnen jonglieren, damit die Kinder zu Einrichtungen gebracht, von diesen abgeholt und dann behütet und versorgt werden?

Und wo bleibt die Lebensqualität?

Wenig Geld, kaum Anerkennung, schlechte Rahmenbedingungen, und wie viel vor allem auch gemeinsame Zeit bleibt überhaupt für Familie und FreundInnen, oder Zeit für frau selbst ...?

Die Schere muss geschlossen werden!

Barbara Kundi

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