POSITIONEN & THEMEN
Kundgebung vor dem Betrieb - auch die KPÖ solidarisierte sich mit der Belegschaft(12.9.2008)
>Äußerst kritische Lage, sture Geschäftsführung treibt Unmut in Höhe,
unerwartetes Abtauchen der Gewerkschaft, Produktion unmittelbar gefährdet –
Gestern war Betriebsversammlung. Sie brachte die sture Ablehnung von
erwarteten nennenswerte Sonderzahlungen durch die Geschäftsführung; und leider
eine Funkstille bei anwesenden Gewerkschaftsvertretern, obwohl seit Wochen mit
Worten Aktionen und Bemühungen in den Raum gestellt worden waren.
Die Geschäftstimmung schindete bei der Betreibsversammlung nur Zeit und so
konnte durch das laufende Weggehen vieler enttäuschter Arbeiter die
vorbereitete Resolution für Aktionen zur Rettung des Standorts nicht mehr
beschlossen werden.
Dadurch ist eine sehr kritische Lage entstanden. Das Unternehmen hat durch die
sture Ablehnung von erwarteten nennenswerte Sonderzahlungen über den Sozialplan
extremen Missmut provoziert, und jedenfalls ist jetzt der Krankenstand
hinaufschnellt; und es ist nicht mehr sicher, wie lange das Werk überhaupt noch
so produzieren kann. Allerdings ist bei einer unkontrollierten Einstellung der
Produktion das Werk überhaupt nicht mehr so einfach hochzufahren.
Der gestrige Tag hat somit leider nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, ja im
Gegenteil: die Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg in der Hauptsache des Erhalts
des Produktionsstandorts ist nüchtern betrachtet gesunken; wenngleich von
Anfang an klar war, dass das schwierig wird, und die Wahrscheinlichkeit auf
einen Erfolg immer begrenzt war.
Das komplette Abtauchen der Gewerkschaft kam aber doch unerwartet, und es
war von Anfang klar, dass die Unterstützung der Gewerkschaft wichtig ist
Wenn der Kapitaleigner nicht mehr will, das Land keinen Finger rührt, die
Gemeinde auch nicht immer hilfreich ist, und die Gewerkschaft Sachen nur
ankündigt, aber real offenbar nur abgewartet hat, dann ist es halt verdammt
schwer.
Ich glaube aber, die Hoffnung soll trotzdem nicht aufgegeben werden. Es kann
noch immer unvermutete Wendungen geben. Aufgeben tut man in einer wichtigen
Frage wirklich erst, wenn alles vorbei sein sollte.
Was soll man sagen, wenn ein führender Gewerkschaftler, der das ganze bei
Semperit schon einmal direkt erlebt hat, von großen Aktionen nur geredet hat.
Wenn er im Juli sagt, noch nächste Woche bis zur einer Verhandlung abwarten;
eine Woche später soll noch auf den Sozialplan gewartet werden, wieder eine
Woche später soll noch auf einen neuen Bescheid gewartet werden, eine Woche
drauf soll noch auf den Einspruch gegen den Bescheid gewartet werden, dann noch
auf neue Gespräche, und schließlich dann noch einmal auf eine
Betriebsversammlung. Die war nun gestern. Der Betriebsratsobmann sagte mir
gestern, wir sollen jetzt wieder eine Woche warten, bis der führende
Gewerkschaftler, der eigentlich ursprünglich zur Betriebsversammlung erwartet
wurde, in einer Woche aus dem Urlaub zurück ist.
Da bis dahin – siehe oben – die Glanzstoff-Produktion leicht Geschichte
sein kann – ist eine weitere Vertröstung um eine Woche mindestens als
unpassender Scherz einzustufen; eventuell im Bewusstsein, dass an die bisherigen
Vertröstungen erfolgreich angeknüpft werden kann.
Nüchtern betrachtet waren wir bei der Bemühung um die Rettung etwas zu
blauäugig. Aber wir haben wieder gelernt, und können die Erfahrungen
weitergeben.
Ich finde es gut, dass gestern bei der Plattform, trotz aller unerfreulicher
Nachrichten kein Katzenjammer war, und das wir weitere Aktionen, insbesondere
für Dienstag konstruktiv fixiert haben. Ich finde die bestehende aktive Gruppe
wunderbar, und wir können noch einiges entwickeln.