POSITIONEN & THEMEN
Lohnverhandlungen in Deutschland: Die Gewerkschaften mobilisieren ihre Mitglieder - Bilder die für Österreich undenkbar sind?Von Hans Gmundner (6.12.2007)
Die erstklassigen Daten der wirtschaftlichen Entwicklung gebieten es geradezu, die unselbständig Erwerbstätigen ausgiebig am zusätzlichen gesellschaftlichen Reichtum zu beteiligen, den sie aus sich heraus gearbeitet haben. Sieht man sich die bisherigen Abschlüsse der heurigen Herbstlohnrunde an, kann man sich diese Erwartung in die Haare schmieren. Heimlich, still und leise haben die Spitzen der Fachgewerkschaften sich auf Lohnabschlüsse eingelassen, die nicht nur unter den Erwartungen der Betroffenen liegen, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht töricht sind.
Abschlüsse von durchwegs zu Teil deutlich unter vier Prozent ergeben schon bei oberflächlicher Berechnung keine echte Steigerung der Einkommen. Berücksichtigt man bloß die offizielle Inflationsrate von derzeit 2,8 Prozent und die Lohnsteuerprogression, kommt bei Lohnsteigerung von 3 Prozent und ein paar Zerquetschten unterm Strich ein weiterer Reallohnverslust heraus. Die seit Mitte der 90er Jahre stark gesunkene Lohnquote wird neuerlich nach unten gedrückt. Dabei ist von der Abgeltung der Produktivitätssteigerungen in allen Produktions- und Dienstleistungsbereichen nicht einmal ansatzweise die Rede.
Leidtragende dieser Entwicklung sind nicht nur die unmittelbar Betroffenen. Darüber hinaus stellt sich auch ein volkswirtschaftlicher Schaden ein. In einer Lage, wo die internationale Konjunktur Bremsspuren zeigt, würde die Steigerung der Inlandnachfrage durch ein signifikante Erhöhung der niedrigen und mittleren Unselbständigeneinkommen zur Festigung der wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.
Leider haben wir es mit selbstgefälligen Politikern und Gewerkschaftsbossen zu tun, die schalten und walten, wie es ihnen gefällt und schon längst keine Rücksicht mehr auf ihre Klientel nehmen. Das fällt ihnen umso leichter, als die etablierten Parteien immer ununterscheidbarer geworden sind und statt demokratischer Praktiken längst das Wahlmarketing über die Zusammensetzung von Parlamenten entscheidet.