POSITIONEN & THEMEN
Zurückversetzt in alte Zeiten?Von Franz Fend (22.11.2007)
Die Gesamtschule als egalitäre Zugangsmöglichkeit zur Bildung ist wieder einmal auf unbestimmte Zeit vom Tisch, schon drängen BildungspolitikerInnen und StandesvertreterInnen aller Parteien, zum Kerngeschäft, das Schulen zu verrichten hätten, zurückzukehren. Kärntner GewerkschafterInnen fordern doch glatt, Eltern, die sich zu wenig um die schulischen Leistungen ihrer Kinder kümmern zu bestrafen. Wenn diese zu spät kommen, Hausübungen nicht gemacht haben oder bei Prüfungen schlecht abschneiden müssten die Eltern sanktioniert werden. Damit diese das auch spüren, solle ihnen die Kinderbeihilfe gestrichen werden.
Der oberösterreichische Landesschulratspräsident hingegen sprach sich gestern in erfreulicher Deutlichkeit dafür aus, dass LehrerInnen Kinder wieder bestrafen dürfen sollen. Dass dieser sich ungefragt gegen die Prügelstrafe ausgesprochen hat, kann nur als freudsche Verneinung aufgefasst werden. Im tiefsten Inneren möchte er ja, aber es ist halt leider derzeit mit einem Tabu belegt. Die Bildungsministerin hingegen will 150 PsychologInnen an die Schulen schicken um gewaltbereiten SchülerInnen Herr zu werden.
Dass Schule ein Ort der Wissensvermittlung oder gar der Bildung sei, glaubt ohnehin kaum noch jemand. Es geht ohnehin nur noch darum, von der Wirtschaft möglichst schnell verwertbares Wissen in die Kids reinzupauken. Selbst diese Aufgabe übernimmt zunehmend ein deregulierter, privater Bildungsmarkt auf dem sensationelle Profite realisiert werden können. Der Schule bleibt also nur noch die Funktion als Zurichtungs- und Disziplinierungsanstalt, wie sie früher von Gefängnissen und Psychiatrischen Kliniken ausgeübt worden ist. Und da man über das System Schule auch gleich der Eltern habhaft werden kann, werden diese gleich in den Zurichtungsapparat integriert. Man kann ja nie wissen.

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