POSITIONEN & THEMEN

Von Melina Klaus (11.12.2007)
Mickey Mäuse werden morgen (12.12.) in Wien, Graz und Innsbruck im Weihnachtsrummel KonsumentInnen auf unmenschliche Arbeitsbedingungen in Chinas Spielzeugindustrie aufmerksam machen.
Wie im Japanischen (Karoshi) gibt es auch im Chinesischen einen Begriff für ‚sich zu Tode zu arbeiten‘: Guolaosi. War Karoshi ein Phänomen der 24/7-Philosophie (24 Stunden, 7 Tage) der Manager und Ich-AGs der sogenannten ‚new economy‘ in den 90er Jahren, betrifft Guolaosi ArbeiterInnen in den Fabriken. Belastung, Arbeitszeiten, Gefährdungen machen die ArbeiterInnen in einem Teil der Welt krank, während im anderen Teil der Welt die Schaufenster und Regale von buntem Spielzeug übergehen.
AktivistInnen der entwicklungspolitischen NGO (Nichtregierungsorganisation) Südwind waren im November nach China gereist, um die Arbeitsbedingungen in der Spielzeugindustrie unter die Lupe zu nehmen. Dort sprachen sie mit ArbeiterInnen von Disney-Zulieferbetrieben. Manche, die bis Mitternacht arbeiten und Figuren für Disney produzieren, werden an ihrem Arbeitsplatz vor Erschöpfung schlicht ohnmächtig. Das Management versucht dann einfach, sie wieder irgendwie wach zu kriegen, berichtete ihnen etwa der 35jährige Liu, der bis vor kurzem bis zu 16 Stunden am Tag für Disney schuftete.
Bis zu 400 Stunden im Monat müssen die ArbeiterInnen schuften, wenn sie die Spielsachen, die bei uns das Christkind bringt, produzieren. Überstunden werden schlecht oder gar nicht bezahlt, der Lohn reicht kaum zum Überleben. Für eine Barbiepuppe, die bei uns um 20 Euro verkauft wird, bekommen die chinesischen ArbeiterInnen nicht einmal 20 Cent. Giftige Dämpfe und überholte Maschinen ohne Sicherheitsvorkehrungen führen zu Krankheiten und Verletzungen. Von einer Sozial- und Krankenversicherung können die meisten ArbeiterInnen aber nur träumen.
KonsumentInnen in Österreich können Einiges dazu beitragen, die Situation der Spielzeug-ArbeiterInnen zu verbessern, meint Christina Schröder von Südwind.
Dazu wurden etwa Kärtchen produziert, die in Geschäften abgegeben werden können und mit deren Hilfe Geschäftsleitungen und Unternehmen um Antworten über Arbeitsbedingungen ihrer LiferantInnen gebeten werden: Ich kaufe sehr gerne bei Ihnen ein. Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen in der Spielzeugindustrie empören mich aber. Ich möchte, dass das Spielzeug, das ich bei Ihnen kaufe, fair produziert wird. Deswegen würde mich interessieren, ob sich Ihr Unternehmen an einen Verhaltenskodex hält, der die Mindestnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die nationalen Gesetze in Produktionsländern beinhaltet, ob eine unabhängige Instanz die Einhaltung des Kodex überprüft, ob Sie sich dafür einsetzen, dass die ArbeitnehmerInnen ihrer Lieferanten über ihre Rechte Bescheid wissen und diese einfordern können, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.
Mein Christkind wird Barbie & Co bestreiken. Ich habe mich überzeugen lassen, dass mein (kleines) Konsumverhalten mit der (großen) globalen Arbeitsteilung etwas zu tun hat. Und ich bin sicher, ich finde für die Mädchen und Bübchen, die ich beschenke, viele bunte Sachen, deren Herstellung nicht tödlich ist.