POSITIONEN & THEMEN

Von Franz Fend (9.11.2007)
Die vorherrschende Bildungspolitik dient ausschließlich der neoliberalen Zurichtung. – Was sich in der aktuellen Debatte um die Gesamtschule abspielt, lässt sich an Erbärmlichkeit kaum überbieten. Dass die aktuelle Regierung selbst nominell vom Projekt der Gesamtschule Abschied genommen hat, kann durch das Geschwätz von der Neuen Mitteschule nur unzureichend übertüncht werden. Wie denn auch?
Die eine Regierungspartei mit christlichsozialem Hintergrund verfällt in unkontrollierte Raserei, wenn von einem egalitären Bildungszugang die Rede ist. Deren Landeshauptleute beschreiben die politische Verfasstheit am besten: Pühringer in Oberösterreich beispielsweise betont bei jeder Gelegenheit, dass man stolz sei, Lehrlingsland Nummer eins zu sein. Übersetzt heißt das, man sei stolz, dass die Jugend in Oberösterreich über den niedrigsten Bildungsabschluss verfüge. Menschen mit geringer Bildung sind leichter beherrschbar, dieses Politikverständnis dürfte sich die ÖVP aus dem absolutistischen Feudalismus herüber gerettet haben.
Dass die SPÖ für eine gemeinsame Schule eintritt, hat ebenfalls andere Gründe als jene, die vorgeschoben werden. Es geht ihr in keiner Weise um einen emanzipatorischen Bildungsansatz, vielmehr sieht sie die neue Mittelschule als Vehikel, zum besseren Abschneiden Österreichs bei zukünftigen PISA-Tests. Dies hat der ehemalige CV-Bruder und heutige SP-Bildungsbürokrat Haider bereits deutlich gemacht. Dass bei solchen Tests ausschließlich erhoben werden kann, ob jemand gut Test auszufüllen in der Lage ist, ist evident. Es geht bei diesem PISA-Ranking Wahnsinn auch nur darum, aus Schülern dressierbare Subjekte zu machen, die hüpfen, wenn die Lehrer sagen sie sollen hüpfen.
Bildungspolitiken, die zum Ziel haben, dass Menschen in den Schulen durch den Erwerb von Wissen zu einer vernünftigen Lebensgestaltung befähigt werden sollen und sich Wirklichkeit kritisch anzueignen vermögen, sind ohnehin längst entsorgt worden. Es geht ausschließlich um die Zurichtung von Jugendlichen im Sinne von Employability. Die Schule hat ausnahmslos die Funktion, ausreichend gut verwertbares Humankaptial für die neoliberale Ökonomie herzustellen. Effizienz, Verwertbarkeit und Kontrolle lauten daher die Paradigmen der vorherrschenden Bildungspolitik, mit welchen der Bildung die letzten Reste von Freiheit und Aufklärung ausgetrieben worden sind. Der Theaterdonner um die Neue Mittelschule ändert daran nichts.