KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Gleiche Rechte statt Integration!

Von Melina Klaus (14.11.2007)

Dieser Tage verlautete also die Statistik Austria, dass insgesamt 16,3 Prozent der ÖsterreicherInnen sogenannten Migrationshin­tergrund haben. Wien führt mit 31,4 Prozent, gefolgt von Vorarlberg (19%) und Salzburg (17%), am geringsten ist der Anteil in der Steiermark (9,8%) und im Burgenland (8%). Die Datenerfassung, wenn es nicht nur um die Frage von Migration, sondern auch um die Frage von Diskriminierungen geht, ist ja nicht immer so einfach. Unter den Gemeinten finden sich sodann verschiedenste Betroffenheiten. Ausländische StaatsbürgerInnen, langjährig oder seit Geburt in Österreich aber nicht im Vollbesitz aller politischen und sozialen Rechte, österreichische StaatsbürgerInnen mit Migrationshin­tergrund, im Vollbesitz aller Rechte, doch Opfer von fremdenfeindlicher und rassistischer Diskriminierung (am Arbeitsmarkt etwa, aufgrund ihres Namens, ihrer Hautfarbe, ihres Akzentes, …). Um zwei Pole zu nennen.

Dieser Tage war im Zusammenhang mit der Statistik auch wieder viel über Integration die Rede. Aber was wird damit gemeint? Am Papier hört sich meist alles gut&schön an. Integration hätte demnach, in den meisten Definitionen, zwei Seiten: Zum einen soll/muss von ZuwanderInnen eine Integrationsle­istung gefordert werden, indem sie sich in eine (neue) Gesellschaft eingliedern, zum anderen müssen aber auch von eben dieser Gesellschaft vielfache Integrationsle­istungen erbracht werden. Ökonomische, soziale, kulturelle, sprachliche Unterstützung etwa, die Bereitstellung von Möglichkeiten also. Und am Ende würden/müssten sich beide Teile neu definieren – Integriertes und zu Integrierendes machen eine veränderte Gesellschaft aus, neue Identitäten entstünden auf allen Ebenen.

Nun – Papier ist geduldig. Und Sprache lebt. Sie wird in der Praxis, von den Diskursen, von der Definitionsmacht be-lebt. Und da wird im Zusammenhang mit Integration meist nur von einer Seite etwas gefordert. Da gibt es auch nicht viel Bereitschaft zur Selbst-Veränderung. Nix da, wir sind wie wir sind und andere sollen auch so werden oder zumindest gut dazupassen. ‚Wir‘ stehen und ‚ihr‘ kommt dazu. Integration verkommt so zu Anpassungsdruck, Zwangsgemeinschaft, Einverleibung. Die landläufige Meinung macht aus Integration Einordnung unter hiesige gesellschaftliche Normen – und das nur nach Maßgabe der sozialen und ökonomischen Interessen der österreichischen Mehrheitsgese­llschaft. Das Verständnis von Integration als bedingungslose gesellschaftliche Teilhabe und bedingungslose gesellschaftliche Teilhabe als Voraussetzung für Integration hingegen geht mehr und mehr verschütt. Doch nur gleiche soziale, politische und kulturelle Rechte für alle hier lebenden Menschen unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft können konsequente Voraussetzung für Integration sein. Gleiche Rechte, gleiche Chancen, gleicher Zugang zu Leistungen und Möglichkeiten und Schutz vor sowie Richtlinien gegen Diskriminierung.

Auf geduldiges Papier wollen wir uns nicht verlassen, und dass ein Begriff (nämlich Integration) eh vielleicht ursprünglich irgendwie recht super wäre und so viel Gutes bedeuten könnte eigentlich, ist doch viel zu zögerlich! Deshalb, lasst uns doch mal deutlicher werden und fordern: Gleiche Rechte statt Integration!

WIR LEBEN PREKÄR ...
... und wissen es oft gar nicht.

Ziel dieser Internetseite ist es den Begriff "prekär" für Betroffene greifbar zu machenund damit politisch zu definieren. Der "Umweg" über persönliche Geschichten erscheint uns zielführend, weil so die gesellschaftliche Breite der Betroffenheit anschaulich aufgezeigt werden kann.

Plakatsujet: Die Scham ist vorbei. Ich lebe prekär.
Zu Beginn eine Begriffs-Definition:
Das Wort prekär kommt aus dem lat.-fr. und bedeuted: Unsicher, durch Bitten erlangen, widerruflich, schwierig.
Prekarisierung bezeichnet die Zunahme von Arbeitsplätzen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit, niedrigem Lohn, Teilzeitbeschäftigungen, befristeten Verträgen - damit gehen meist auch geringere Aufstiegschancen einher - und mangelndem Kündigungsschutz. Also den Prozess der Zunahme prekärer Arbeitsbeziehungen in der Erwerbsarbeit. Das Ergebnis ist ein Verunsicherungsprozesses, der auch als Prekarität bezeichnet wird.
Die Löhne, Einkünfte aus prekären Arbeitsbeziehungen sichern den Lebensunterhalt der Arbeitnehmerin/des Arbeitnehmers und eventuell ihrer/seiner Angehörigen nicht.
Besonders betroffen sind, wie so oft, die Frauen – bedingt durch ihre gesellschaftliche und familiäre Position und ihre Stellung am Arbeitsmarkt.