POSITIONEN & THEMEN

Von Josef Stingl (7.12.2007)
… eine weihnachtliche Mär über Lug, Trug und (Profit)gier Zur Erinnerung: Im vorweihnachtlichen Salzburg Mitte der 80iger Jahre hatte ein Filialkonzernbesitzer hartlauerische LÖWENhafte Angst am 8. Dezember einen Teil seines Gewinnes nach Deutschland verlieren zu können. Das kann doch nicht sein und er pfiff daher auf Gesetz und Menschlichkeit lies sein Geschäft offen und seine Angestellten fest buggeln und der Landeshauptmann deckte diesen Gesetzesbruch.
„Anders“ die Gewerkschaft? Sie drohte, sie sagte den betroffenen Handelsangestellten ihre Hilfe zu und organisierte eine Gegendemo in Salzburg. Nur, im letzen Moment wurden die Protestmaßnahmen abgeblasen und somit die Tür für den Fall des Feiertages zumindest für Handelsangestellte weit aufgerissen.
Die HändlerInnen wiederum nicht untätig, griffen dieses Angebot unverschämt auf und „erzwangen“ mit der GPA einen Kollektivvertrag für die Arbeit am 8. Dezember. Gefinkelterweise wurde der KV so gestaltet, dass erst ab 10 Uhr vormittags geöffnet werden darf, damit Verkäuferin und Verkäufer vorher die Messe besuchen kann damit das Durchbrechen der Feiertagsruhe der Amtskirche schmackhaft gemacht wurde.
Soweit zur Vergangenheit, was ist aber heute? „Ein leuchtender Stern im Advent“ so die Kirche, „den Beschäftigten Ruhe schenken“ so Billa und „ein großer Erfolg der Belegschaftsvertretung, der zu einem zusätzlichen positiven Motivationsschub unter der Belegschaft führen wird“ so die GPA-djp zur REWE Ankündigung, dass am 8. Dezember alle Billa-Geschäfte in Österreich geschlossen bleiben.
Ein Durchbruch gegen die Feiertagsöffnung, oder handelt es sich nur um einen relativ billigen PR-Gag des REWE-Management? Ich befürchte, die BILLA-Filialen sind fast ausschließlich im Lebensmittelsektor aktiv und somit der am wenigsten von der Feiertagsöffnung profitierende Betriebsteil des REWE-Konzerns in Österreich und MERKUR beispielsweise, öffnet am 8. Dezember selbstverständlich die Pforten. Mit dem Nichtöffnen der Billa-Filialen ist es REWE gelungen, billig in aller (Medien-)Munde zu sein.
Zurück zur Gewerkschaft, welche ja die geschlossenen BILLA-Filialen am 8. Dezember auf ihre Fahnen heften will: Ich als Linksgewerkschafter wäre ja froh, würde es im ÖGB zu einem Umdenken kommen. Ich befürchte aber, auch dessen Bosse wollen nur am PR-Gag mitprofitieren. Der offene 8. Dezember wird schon jahrelang als gottgegeben hingenommen. In den 20 Jahren seit der Feiertagsöffnung kann ich mich an keine einzige ÖGB- oder GPA-Initiative erinnern, die sich auch nur ansatzweise gegen die 8.-Dezember-Feiertags-Öffnungszeiten gerichtet hätten.
Das Gegenteil ist der Fall. Der ÖGB rühmt auf seiner homepage die KV-VerhandlerInnen der vida. „Nach Vorarlberg gibt es nun auch für die Bundesländer Salzburg, Oberösterreich, Kärnten und Wien erstmals eine Regelung für das Offenhalten von Friseurbetrieben am 8. Dezember 2007. Darauf haben sich die Kollektivvertragspartner, die Gewerkschaft vida und die jeweiligen Landesinnungen der Friseure in Verhandlungen am 7. November geeinigt.“
„Gratulation!“ kann ich nur mehr zu dieser kollegInnenfeindlichen Dummheit sagen.

nennt sich diese »Volksstimme«-Serie, die den Blick auf die Welt nach philosophischen und politisch-ökonomischen Kriterien schärfen soll. Peter Fleissner bietet diese Denk- und Bildungsbausteine an.
PETER FLEISSNER ist Sozialkybernetiker und beschäftigt sich mit den Steuerungs und Regelungsprozessen in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur.
Als ordentlicher Universitätsprofessor an der TU Wien im Ruhestand, Mitbegründer der WAPE (World Association for Political Economy) und Vorsitzender von transform!at, eines Vereins für die Förderung linker Diskurse in Österreich.
Kontakt: [email protected]
