KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Der Mensch zuerst ...

Von Josef Stingl (23.6.2008)

Tiroler Tageszeitung 20. Juni 2008, zwei Meldungen lassen aufhorchen: „400 Tiroler sterben pro Jahr wegen des Feinstaubs“und „Fercom-Boss für zweiten Alpenübergang durch Tirol“.

Im erstgenannten Artikel erfährt Mensch, dass seit den 90er Jahren die Dieselemissionen extrem angestiegen sind und die Folgeschäden noch gar nicht abschätzbar seien. Heinz Fuchsig von der AUVA-Innsbruck erinnert dazu an das Asbestproblem: „Noch heuer sterben vier bis sieben Personen in Tirol an den Spätfolgen einer früheren Asbestbelastung.“ Ähnliches befürchtet er auch durch die hohe Feinstaub- und Nanopartikelbe­lastung durch die gestiegene Dieselabgasemis­sionen. Er verweist auf neueste Forschungsergeb­nisse die nicht nur auf Auswirkungen auf die Atemwege weisen, sondern auch auf Gehirn (Ablagerungen, Schlaganfälle) und Herz (Infarkte, Rythmusstörungen). Gefährdet sind laut Fuchsig die TirolerInnen mit ihrer hohen LKW-Frequenz an Inntal- und Brennerautobahn und Kinder sind eine besonders betroffene Bevölkerungsgruppe.

Ein paar Seiten später das Interview mit dem Chef des Südtiroler Logistikriesen Fercam, Thomas Baumgartner. Er rät, das Nadelöhr Brenner mit einer zweiten Alpenstraße durch Nord- und Südtirol zu entlasten. Zuerst wettert er gegen das sektorale Fahrverbot, das er als schlechtesten Weg bezeichnet, da es darauf abzielt spezielle Waren, welche eisenbahnaffin sind, auf die „ineffiziente Bahn“ zu verlagern. Effektive Verlagerungseffekte von der Straße auf die Schiene seien nur zu bewirken wenn im Eisenbahnsektor die Liberalisierung fortschreitet. Er setzt da schon lieber prioritär auf eine dritte Autobahnspur im Unterinntal, da diese Trasse sehr ausgelastet und daher ausgebaut werden müsste. Für den internationalen Nord-Süd-Verkehr wären allerdings neue Alpentransversalen von größtem Nutzen, eine von Ulm-Mailand, welche durch Tirol und durch das Südtiroler Vinschgau ausgebaut werden könnte.

Was fehlte in diesem Interview, war eine Frage, was Fercom-Chef Baumgartner zu den eingangs erwähnten Befürchtungen der Gesundheitsexperten zu sagen habe. Aber diese Frage erübrigt sich wohl, denn wo groß Cash abgesahnt werden kann, kommt der Mensch immer zuletzt!