KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Oida, warum sagen's zu Dir Ausländer?

Das berühmte Plakat "I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric, warum sogns zu dir Tschusch", entstanden 1973 in der Serie: Plakate gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Initiative Minderheiten/Südwind Verlag. Im Hintergrund beschmiert, auf einer Plakatwand in Wien.

Von Melina Klaus (23.1.2008)

Vorsicht, es scheint, das Integrationsver­sprechen ist lediglich eine nie eingelöste Verheißung. Streck dich, bemüh dich! Aber so wie wir, wirst du nie.

Eine Notiz in der Kleinen Zeitung macht mich stutzig. Vincent, so heißt der Sieger der ORF-Show ‚Musical‘ und Moderator Alfons Haider wird zitiert: Er sei stolz, „dass jemand, der Ausländer ist, auch so einen Bewerb gewinnen kann“. Bitte, lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen. Erstens, es wäre denkbar, dass „so einen Bewerb“ (?) ein Ausländer nicht gewinnen kann. Vielleicht, weil es sich um den österreichischen Musical-Star des Jahres handelt? Zweitens, was heißt denn hier Ausländer? Nahmen denn auch KandidatInnen von anderen Fernsehstationen teil? Ich recherchiere nach. Und das erste, was ich finde ist die headline unter musical.orf.at: „Siegesschrei: Bist du deppert, Oida!“ Vincent, Oida, Du bist ein Ausländer? Bei weiterer Recherche finden sich dann weitere Benamsungen: Der Wiener (häufig, beruhigend), der gebürtige Filipino, der Neo-Wiener. Also, die Suche geht weiter. Auf myspace finde ich endlich seinen Blog und seine Biografie. Vincent Bueno, geboren am 10.12.1985 in Wien! Seine Eltern kamen von den Philippinen nach Wien. Wir lassen uns wieder auf der Zunge zergehen: Ausländer, Neo-Wiener, gebürtiger Filipino.

Freilich, oft schon habe ich in der Jugendarbeit mit Jugendlichen z.B. folgenden Dialog geführt:

– „Ich komme aus der Türkei.“

– „Seit wann bist Du in Österreich?“

– „Seit meiner Geburt.“

Die Frage von Herkunft und Heimat, die eigene Einordnung in Familiengeschichte und Örtlichkeiten ist sicherlich vielschichtig. Aber etwas ist an der Aussage des eigenartigen Moderators doch besonders perfid – Vincent ‚sieht man etwas an‘, wenn man es sehen will. Allein also schon des Moderators und unsere Wahrnehmung von äußeren Merkmalen machte aus Vincent einen „Ausländer“. Vincent ist in Wien geboren, hat hier gelebt und studiert, er spricht wie ein Wiener, er ist ein Wiener. Doch man darf ihn ungestraft, sogar mit bestem Gewissen, mit Stolz, gerührt über dieses wunderbar tolerante Land als „Anders“ titulieren.

Bist du deppert, Oida, das nenn ich rassistisch. Denn Rassismus als Ideologie, ist unter anderem zuallererst die verallgemeinerte Zuschreibung tatsächlicher oder fiktiver, imaginierter Unterschiede, ist unter anderem die Bewertung und Zuschreibung aufgrund des Aussehens, der Sprache, der Religion, der Staatsbürgerschaft, … Dies macht die (negative) Bewertung der Zuschreibungen möglich, dies macht Ausschluss, Hierarchie, Diskriminierung möglich. So ist es nicht weniger gefährlich, die Zuschreibung und die Wahrnehmung – also die Trennung – zu zelebrieren und dabei zu glauben, die rührige Einigkeit zu feiern.

Und was ich noch dabei lernte? – Das Integrationsver­sprechen ist eine niemals eingelöste Verheißung! Du kannst dich noch so brav strecken, du erreichst die süßen Früchte nicht! Oida, bist du deppert, kannst du sagen, die Nation mit Stolz erfüllen kannst du, weil du so schön singst,… du bist und bleibst ein Ausländer.

Auf den aktuellen Integrationsbe­richt, der seit dieser Woche durch die Medien geht, soll nun eine „Integrationsstra­tegie“ folgen. Klingt bedrohlich.

Pressemeldung der KPÖ: Ohne „Gleiche Rechte für alle“ keine Integration orf-online: Innenminister Platter präsentiert den Integrationsbericht Gleichzeitig eröffnet das Innenministerium einen Internetauftritt "zur österreichweiten Debatte" - mit der Einladung sich an dieser zu beteiligen. Lassen wir uns überraschen: www.integration.at