KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

"Ich, Boy, 19, suche ..."

Univ. Prof. Dr. Herbert Lachmayer erörtert die Ausstellung

Von Dagmar Schulz (15.5.2009)

So lautete der Titel der Ausstellung, die am Informationstag der Pädagogischen Hochschule Wien im März 2009 eröffnet w­urde.

Das Ziel: Mehr männliche Studierende für den Lehrberuf gewinnen, um mittelfristig das derzeit starke Gender-Ungleichgewicht in diesem Berufsfeld zu mildern und SchülerInnen so mehr Vorbild-Persönlichkeiten beiderlei Geschlechts bieten zu können. (Macht „man“ sich eigentlich auch bei den Pflegebediensteten, bei Behinderten- und AltenbetreuerInnen und anderen Berufen diese Sorgen?)

Die Reflexion über Männerbilder sollte u.a. durch Installationen angeregt werden, bei denen kein noch so abgeschmacktes Klischee ausgelassen wurde: z.B. Stimme aus dem Out: “Warum hättest du gerne einen männlichen Lehrer?“ Kind: “Weil der sicher bessere Versuche in Chemie machen kann!“ (Na, da werden sich die Chemie-Lehrerinnen bedanken!)

In Wahrheit können noch so gut gemeinte Kampagnen wohl nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Knochenarbeit ohne große Karrierechancen sehr gerne den Frauen überlassen wird.

Und dass sich ein hoher Frauenanteil negativ auf die ideelle Wertschätzung eines Berufes, aber auch auf seine finanzielle Abgeltung niederschlägt, ist auch keine Geheimnis. Denn je „höher“ der Schultyp, desto höher auch der Männeranteil und je „höher“ das Amt – desto mehr Männer – dies gilt nicht nur im Schuldienst, wo die „Chancen“ theoretisch gleich verteilt wären.

Karriere ist in Deutschland – und überall! – weiterhin Männersache. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Wissenschaftszen­trums für Sozialforschung. Vor dem Frauentag am 8. März haben Forscher analysiert, warum es Frauen beim Aufstieg im Job noch immer schwerer haben als Männer. Ein Ergebnis lautet: Es liegt wie schon vor 30 Jahren oft an den Klischees und Vorurteilen der Arbeitgeber – vor allem in privaten Unternehmen. Bei Bewerbungen in der Privatwirtschaft hätten heute selbst Ingenieurinnen oder Naturwissenschaf­tlerinnen schlechtere Chancen als gleich qualifizierte Männer.

In Österreich wurde eine Studie von der Agentur „Accenture“ durchgeführt: Mehr als die Hälfte der befragten Männer (55 Prozent) gaben an, schneller Karriere zu machen als ihre Kolleginnen. In Österreich liegt der Wert sogar bei 57 Prozent. Spitzenreiter ist China. Dort sind 90 Prozent der Männer davon überzeugt, dass Frauen nur geringe Chancen haben, in Führungspositionen aufzusteigen.

In Anbetracht all dieser Untersuchungen wollen wir nun also hoffen, dass sich ein paar 19jährige „Boys“ für den Beruf des Volksschullehrers interessieren lassen – trotz des mickrigen Anfangsgehalts. Zum Trost: Lange brauchen sie es ja sowieso nicht bleiben – denn es wird sich schon irgendwo ein Direktors-, Inspektors- oder sonstiges Pöstchen in Stadtschulrat oder Ministerium finden lassen, womit sie ihre Kolleginnen karrieremäßig überholen können.

Ich fände es mindestens ebenso wichtig, dass ehebaldigst das derzeit starke Gender-Ungleichgewicht in Bezug auf Berufskarrieren nicht nur gemildert, sondern ausgeglichen bzw. dem Frauenanteil der Beschäftigtengruppe entsprechend verteilt würde. Nach dem Motto: Ich, Frau, fordere … gleiche Chancen!