KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Jura Soyfer

Von Manfred Bauer (14.2.2009)

Jura Soyfer wird am 8. Dezember 1912 in Charkow in der Ukraine geboren.

1921 flüchtet er mit seiner Familie vor der russischen Revolution nach Baden bei Wien. Mit 15 Jahren beginnt Jura Soyfer sozialistische Schriften zu studieren und wird überzeugter Marxist. 1927 tritt er dem Verband der Sozialistischen Mittelschüler bei. 1929 wird er Mitglied des Politischen Kabarett der Sozialdemokraten. Dort sammelt er erste Erfahrungen im szenischen Schreiben. Ab Dezember 1931 erscheinen wöchentlich politische Satiren von Soyfer in der „Arbeiter-Zeitung“ und in der sozialdemokra­tischen Wochenschrift „Der Kuckuck“. Er fordert die Politisierung des Theaters und nähert sich theoretisch dem „Epischen Theater“ von Bertolt Brecht an. Nach den Februarkämpfen 1934 tritt er der illegalen KPÖ bei, verfasst Flugblätter und beginnt seine Arbeit an seinem Roman „So starb eine Partei“, eine Abrechnung mit der Politik der österreichischen Sozialdemokratie. 1937 wird Soyfer das erste Mal festgenommen,am „Anschlusstag“ des 13. März 1938 ein weiteres Mal. Am 23. Juni 1938 wird er ins KZ Dachau transportiert, im Herbst ins KZ Buchenwald; dort stirbt Jura Soyfer am 16. Februar 1939 an Typhus, erst 26 Jahre alt.

Zu Soyfers bekanntesten Werken zählen neben dem Romanfragment „So starb eine Partei“ die Dramen „Der Weltuntergang“ und „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“. Vor allem darin gelingt Soyfer der Sprung vom Pathos zum kabarettistischen Element der politischen Kritik. Weitere Werke Soyfers sind „Astoria“ oder „Vineta“, in denen er sich von den Traditionen des Volksstücks entfernt, um die Absurdität einer Welt am Rande des Abgrunds zu zeichnen. Im KZ Dachau schrieb Soyfer zusammen mit dem Komponisten Herbert Zipper das bekannte Dachau-Lied.

Das literarische Anliegen Jura Soyfers war es, im Theater keine vollständigen Lösungen oder Ergebnisse zu präsentieren; für ihn konnten die dargestellten Probleme nur im wirklichen Leben, also im real existierenden Protest, gelöst werden. Seine Stücke zerstören Illusionen und rufen dazu auf, die Gesellschaft, wie sie ist, zu verändern.

Die Jura Soyfer-Gesellschaft organisiert anlässlich des 70. Todestages des Autors folgende Gedenkveranstal­tungen:

„Weltprojekt Der Lechner Edi“: Mittwoch, 18.2., 19.00 Uhr, VHS Brigittenau

„Jura Soyfer – hörbar“: Donnerstag, 19.2., 19.00 Uhr, VHS Brigittenau

„1 Komödie – 3 Väter“. ein Abend mit Otto Tausig, Sonntag, 1. März, 19.30 Uhr, VHS Brigittenau