KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Abschied von Lipej Kolenik

Die Trauergemeinde verabschiedet sich nach ländlicher Sitte vor dem Haus des Verstorbenen.

(18.2.2008)

83 Jahre alt war Lipej Kolenik, als er vor einigen Tagen in seinem Heimatort Schilterndorf/Cir­kovce verstarb. Eine große Trauergemeinde, unter ihnen auch Mitglieder der Landeskoordination der KPÖ Kärnten und Bundessprecher Mirko Messner, verabschiedete sich von ihm am Sonntag, den 17. Februar, auf dem Friedhof in Einersdorf/Nonca vas bei Bleiburg/Pliberk.

Lipej Kolenik entstammte einer armen slowenischen Bauernfamilie; als junger Soldat desertierte er aus der deutschen Wehrmacht und schloss sich dem bewaffneten Widerstand der Kärntner slowenischen Partisanen und Partisaninnen gegen die Nazis an. Schwer verwundet erlebte er die Befreiung, um anschließend am eigenen Leib zu erfahren, wie der kalte Krieg ehemalige Verbündete zu Gegnern machte. Als Kommunist und Nachkriegs-Aktivist der slowenischen Befreiungsfront, die noch eine Zeitlang für die Angliederung Südkärntens an Jugoslawien stritt, wurde er von der britischen Besatzungsbehörde ähnlich wie viele seinesgleichen mit besonderer Intensität verfolgt und mehrmals verhört, eingesperrt und gedemütigt. Zur selben Zeit musste er miterleben, wie die Parteigänger jener, die den Krieg angezettelt und verloren hatten, wie die alten antislowenischen Kader als verlässliche antikommunistische Kämpfer wieder in Amt und Würden gehoben wurden, wie die klerikale Emigration aus Jugoslawien Möglichkeiten bekam, die slowenische Linke zu bekämpfen, und wie sich schließlich selbst die damalige Führung der KPÖ, der er noch angehörte, im Kominform-Konflikt auf die Seite Stalins schlug und die slowenischen Partisanen diffamierte. Alles das, so der Trauerredner Jože Rovšek, Mitglied der slowenischen Sektion der KPÖ Kärnten und persönlicher Freund des Verstorbenen, hatte Lipej zwar nicht brechen können, es hat ihm aber – so wie einer ganzen Generation slowenischer Widerstandskämpfer und Widerstandskämpfe­rinnen – „tiefe Wunden zugefügt“. Lediglich die KPÖ hatte es verstanden, sie zu lindern, „als der Bundesvorstand vor einem Jahrzehnt auf Vorschlag der slowenischen Parteimitglieder die Verirrungen jener Zeit bedauert und sich mit einer feierlichen Erklärung am Peršmanhof bei der damaligen Generation der slowenischen Linken entschuldigt hatte“.

Lipej Kolenik war bis zuletzt in den politischen, kulturellen und genossenschaf­tlichen Strukturen der Kärntner SlowenInnen aktiv. Bei den Kärntner Landtagswahlen im Jahr 1999 kandidierte er auf der Liste der KPÖ. Die jährliche Veranstaltung zum Gedenken an die von einheimischen Nazis massakrierte „Domen-Kurier-Truppe“ am Kömmel/Komelj, ein zentraler Punkt in der antifaschistischen Erinnerungskultur der slowenischen Bevölkerung in Kärnten, ist seiner Initiative und seinem Engagement zu verdanken. Seine Memoiren aus dem Widerstandskampf – „Mali ljudje na veliki poti“ (Kleine Leute auf großen Wegen) –, die unter dem Titel „Für das Leben, gegen den Tod“ auch in deutscher Übersetzung im Drava-Verlag veröffentlicht wurden, öffneten vielen einen neuen Blick auf Kärntens Halbvergangenheit und Gegenwart. Peter Handke, seinerseits auch persönlich mit Lipej Kolenik befreundet, äußerte sich dazu in seinen bei der Verabschiedung verlesenen Worten: „Lipej Kolenik war ein Kämpfer und ein Held, weil er ein Held und ein Kämpfer gegen den eigenen Willen und gegen die eigene friedliche Natur war. Er war ein Kämpfer und ein Held nicht aus Lust am Kampf und am Heldentum, sondern aus Not und aus Widerstand, zur Rettung seiner selbst und der Seinen. Durch sein Leben und sein Werk hat er meinen Blick auf unsere Kärntner Heimat verändert. Mein Kärnten, unser Kärnten, das sind und symbolisieren Menschen wie Lipej Kolenik. Lipej Kolenik war, ist und wird bis ans Ende der Zeiten denen, die dem Zeitungeist Widerstand leisten, ein Vorbild sein …“

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