
Von Alois Franz (5.12.2007)
Wie eine Partei die sich in einem Formtief befindet, lassen nun die Kulturpolitiker Umfragen von Meinungsforschungsinstituten machen. Im aktuellen Fall zur europäischen Kulturhauptstadt Linz 09. Diese hat zur Folge, dass die Bevölkerung es ganz prima findet was in der Kulturpolitik gemacht wird. Im speziellen Fall wird dem Machern von Linz 09 attestiert, dass die Bevölkerung der Kulturhauptstadt mehrheitlich die Attribute „viel versprechend“, „ansprechend“, „gut gelungen“ oder „sympathisch“ zuschreiben. Mit Unfragen wird Meinung gemacht und nicht abgefragt, das ist alt bekannt. So verwundert es auch nicht, dass 64 Prozent der Befragten erwarten, dass die Kulturhauptstadt als „Werbung für Linz als Tourismusziel“ diene. Bei Umfragen wird immer geantwortet, was sozial erwünscht ist, das ist ebenso bekannt.
Dass jene, die in direktem Kontakt mit den Linz 09 MacherInnen standen, nämlich die KünstlerInnen aus der Gegend, ein ganz anderes Bild haben, wird von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Wen interessiert es auch, dass Leute, die Projekte eingereicht haben, Monate lang hingehalten worden sind, um dann doch eine Absage zu kassieren. Wer will es wissen, dass die Intendanz über die Linzer Szene nur abfällig und geradezu beleidigend spricht. Wenn kümmert es, dass Kulturinitiativen von oben herab behandelt, dass AntragstellerInnen wie Bittsteller behandelt werden. Es schert kaum jemand, dass KünstlerInnen nur mit Leuten zu tun haben, die keinerlei Entscheidungskompetenz haben und oft auch nicht die Kompetenz die Projekte zu beurteilen.
Es werde, so heißt es im offiziellen Sprachgebrauch, ja ohnehin die Projektentwicklungskosten finanziert. Das wurde von den KünstlerInnen zuerst goutiert endlich wird einmal auch Arbeit bezahlt, die sonst immer gratis gemacht werden muss. Dass sich die Finanzierung der Projektentwicklung zu einem Repressionsinstrument gemacht worden ist, haben in der Zwischenzeit schon viele am eigenen Leib verspürt. Und es ist zu einem Enteignungsinstrument geworden. Mit der Finanzierung der Projektentwicklung verlieren die KünstlerInnen die Urheberrechte an der eigenen Arbeit. Auch, wenn das Projekt dann abgelehnt worden ist. So saugt die Kulturhauptstadt ihre eigenen Künstler aus, nicht nur finanziell. Sie saugt auch die Substanz einer Szene, nämlich deren Ideen aus, um sie der kulturindustriellen Verwertungsmaschine zuzuführen.