KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Irak: Eine Erfolgsgeschichte?

Irak, November 2004 (Quelle: de.wikipedia.org)

Von Günther Hopfgartner (20.3.2008)

"Die Erfolge, die wir im Irak sehen, sind unbestreitbar“, so US-Präsident Bush in einer Rede zum fünften Jahrestag des Beginns der US-Invasion im Irak. Fakten und Daten zu dieser Erfolgsgeschichte:

  • In den ersten drei Jahren nach der US-Invasion im März 2003 sind im Irak rund 150.000 Zivil­personen getötet worden. Nach einer Studie der Weltgesundheit­sorganisation (WHO) und der irakischen Regierung hieß es, die genaue Zahl liege wahrscheinlich zwischen 104.000 und 223.000 Todesop­fern. Die Ergebnisse wurden am 9. Jan. in der Onlineausgabe der Zeitschrift "New England Journal of Medicine» veröffentlicht. Für die Studie besuchten MitarbeiterInnen des irakischen Gesundheitsmi­nisteriums Ende 2006 und Anfang 2007 Haushalte in allen 18 Provinzen. Sie fragten rund 10.000 Familien, ob es bei ihnen Todesfälle gegeben habe und ob Gewalt die Ursache gewesen sei. Mehr als 100 Stadtteile, die meisten in Bagdad und Anbar, konnten die Behördenmitarbeiter aus Sicherheitsgründen nicht besuchen. (Quelle: Friedenspolitischer Ratschlag Kassel)
  • Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer am 31. Jan. in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetra­gen.Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: Friedenspolitischer Ratschlag Kassel)
  • Im selben Zeitraum wurden im Irak fast 4000 US-Soldaten getötet, ohne dass die US-amerikanische Bevölkerung davon noch groß Notiz nehmen würde. (Angaben des Pentagon)
  • „Das US-Militär erklärte, es habe 50.000 Kilogramm Sprengkörper über dem Ackerland von Arab Jabour im Süden Bagdads abgeworfen. Der Schlag richtete sich gegen verborgene Waffenlager und eine Region, die sunnitischen Kämpfern als Einfallstor nach Bagdad dient.“ (Los Angeles Times) Einige US-Kommentatoren weisen in diesem Zusammenhang nicht nur darauf hin, dass die 50 Tonnen Bomben auf Arab Jabour, vor einigen Wochen, die in den allermeisten westlichen Medien kaum zu einer Randnotiz reichten, ziemlich exakt der Bombenlast auf Guernica entsprach, sondern vor allem einen weiteren Beleg für die von der

Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkte Ausweitung des US-Luftkriegs im Irak liefern: „2007 verwandten die Medien viel Aufmerksamkeit auf den Plan von Präsident Bush, die Bodentruppen um 30.000 Mann aufzustocken. Beinahe unbemerkt blieb die zeitgleiche Verstärkung der Air Force. Das Pentagon hat Milliarden Dollar investiert, um dafür die nötige Infrastruktur zu haben, darunter die Balad Air Base nördlich von Bagdad, die einer 15 Quadratmeilen großen Stadt gleicht und mit ihrer Fläche nur vom Londoner Flughafen Heathrow übertroffen wird. Hier werden pro Jahr 140.000 Tonnen umgeschlagen wie sonst auf keinen anderem Luftstützpunkt des Pentagon weltweit. 40.000 Militärs und Zivilbeschäftigten stehen eigene Buslinien und Fastfood-Restaurants zur Verfügung. Mehr als 550 Flugbewegungen pro Tag erscheinen für gewöhnlich auf den Radarschirmen der Basis.

2007 flog die Air Force fünf Mal so viele Luftangriffe wie 2006. Und 2008 begann mit dem sprichwörtlichen Knall durch die 50.000 Kilogramm, die auf Arab Jabour niederprasselten. Das Kalkül ist einfach: Die überdehnten US-Bodentruppen können ihren Part in Bushs Kalkül nicht mehr lange erfüllen. Die meisten, wenn nicht alle der zusätzlich entsandten Verbände werden früher oder später abziehen – ganz anders die Air Force. Als 1971 die ersten Bodentruppen aus Südvietnam zurückkehrten, flog die Luftwaffe bis Januar 1973 mehr Einsätze über Indochina als je zuvor. Dieses Muster kommt auch für den Irak in Betracht und

bleibt für die meisten Amerikaner unsichtbar, weil die Mainstream-Reporter nicht nach oben schauen.“ (Tom Engelhardt in „The Nation“; Übersetzung: „Freitag“, Berlin)