POSITIONEN & THEMEN
Illustration des ArtikelsVon Walter Baier (6.5.2008)
Zur Klarstellung zum Artikel „Kriegsdrohungen aus dem Hörsaal“: Als ein entschiedener Gegner des fundamentalistischen reaktionären Regimes, das derzeit im Iran herrscht, habe ich die Plattform „Stop the bomb“ unterzeichnet. Ihre wesentlichen Forderungen zielen darauf, Teheran politisch und ökonomisch zu isolieren, und jene oppositionellen Kräfte zu unterstützen, die für einen säkularen und demokratischen Iran kämpfen. Durch internationalen Druck solle das Regime, das mit seiner Rüstung erklärtermaßen die Existenz Israels bedroht, vom Bau nuklearer Waffen abgehalten und gezwungen werden, sein Atomprogramm internationaler Kontrolle zu unterwerfen. Mit keinem Wort werden in
diesem Aufruf aber die USA oder Israel aufgefordert, einen neuerlichen Krieg zu beginnen. Im Gegenteil, soweit es mich betrifft, betrachte ich die Verstärkung des ökonomischen und politischen Drucks als die einzige akzeptable, und wie Beispiele zeigen, auch wirksame, Option für die Durchsetzung der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen. Mehr noch, international akkordierte Sanktionen stellen die völkerrechtliche Alternative zu unilateralen militärischen Aktionen dar, denen, wie man im Irak erkennen kann, in erster Linie diejenigen zum Opfer fallen, die angeblich von der Diktatur befreit werden sollten.
Nun entnehme ich dem „Standard“, dass einer der Redner auf der von der Plattform „Stop the Bomb“ in Wien abgehaltenen Konferenz gerade gegenteilig argumentierte: Da Sanktionen nichts bewirkten, müsse Israel einen militärischen Präventivschlag gegen das iranische Atomprogramm führen. Mit konventionellen Waffen. Und wenn das nicht reiche, dann mit unkonventionellen. Viele unschuldige Menschen würden dabei sterben. Aber das sei immer noch besser als ein nuklearer Holocaust in Israel."
Ich will annehmen, dass diesem wahnwitzigen Szenario auf der Konferenz entgegengehalten wurde, dass es das Wesen von atomaren Erstschlägen ausmacht dass sich ihre Wirkungen und Folgen nicht begrenzen ließen, sie also als ein Mittel jeder irgendwie verantwortbaren Politik von vorneherein ausscheiden. Noch mehr hoffe ich allerdings, dass sich Israels Regierung nicht von derlei massen- und selbstmörderischen Phantasien leiten lässt.
LeserBrief an den Standard, veröffentlicht 6.5.2008