POSITIONEN & THEMEN

(10.11.2010)
Interessante Lektüre, in vielerlei Hinsicht, bietet das in der heutigen Ausgabe von Die Presse publizierte Interview mit dem türkischen Botschafter in Wien: Kadri Ecved Tezcan rechnet mit der gescheiterten Integrationspolitik vis à vis seiner Landsleute in Österreich ab. In, für einen Diplomaten, ungewöhnlich klaren Worten.
Statt sich eine Nachdenkpause zu gönnen, reagiert das offizielle Österreich damit, den Botschafter ins Außenamt zu zitieren und mit den Worten: absolut unangemessen und inakzeptabel sowie respektlos.
Aber auch die Presse bleibt schließlich in ihrem ersten Kommentar zum eigenen, ungewöhnlichen Interview im gewohnten Fahrwasser. Michael Fleischhacker fordert den offenen Ton in der Debatte fortzusetzen und spricht von den „falschen“ Einwanderern, die aus der Türkei gekommen wäre:
"( ) Der richtige Einstieg in eine solche neue Offenheit ist die Feststellung des Faktums, dass der überwiegende Teil der Menschen, die in den vergangenen 20 Jahren aus der Türkei nach Österreich gekommen sind, nur hier ist, weil dieses Land nie eine gesteuerte Zuwanderungspolitik betrieben hat. Hätte es in Österreich eine Zuwanderungspolitik gegeben, die mit jener von Vorbildländern wie Kanada oder Australien vergleichbar ist, wären die meisten von ihnen nicht hier.
Es sind, in der offenen Sprache des türkischen Botschafters gesagt, die falschen Zuwanderer. ( )"
Genau vor diesem Denkhintergrund findet aber die zunehmend bedrohliche „Fremden“politik in Österreich statt. Da hilft auch nicht, wenn Fleischhacker fordert, mit diesen Menschen jetzt, da sie mal da sind, eben umgehen zu müssen.
Die Presse: „Warum habt ihr 110.000 Türken eingebürgert?“
Die Presse, Kommentar: Wir sollten das Richtige auch für die falschen Zuwanderer tun
orf-online: Wirbel um türkischen Botschafter