KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Greenpeace: Gefährlicher Störfall in Biblis

(11.5.2011)

Ausstieg aus der Atomkraft ist überfällig – Fukoshima ist überall möglich: Greenpeace wurden interne Protokolle zugespielt. Die Organisation kritisiert Vertuschungspolitik in Deutschland. Das hessische Umweltministerium wies den Vorwurf der Vertuschung zurück.

Hamburg/Wiesbaden (Agenturen/ND). Nach Angaben von Greenpeace hat die Organisation von einem Mitarbeiter in Biblis A interne Dokumente zugespielt bekommen, die belegen, dass es in dem AKW einen gefährlichen Störfall gegeben hat, der nicht gemeldet wurde. Das teilte die Organisation am Dienstag in Hamburg mit. Ein vorliegendes Protokoll beschreibe, dass die innere Dichtung des Reaktordruckbehälter-Deckels beim Anfahren des Reaktors am 20. Oktober 2010 dem Druck nicht standgehalten habe. Nur die äußere Deckeldichtung habe ein Leck verhindern können. »Der Reaktordruckbehälter ist das Herzstück des Atomreaktors. Hier darf eine defekte Dichtung nicht ignoriert werden«, kommentierte der Greenpeace-Atomphyiker Heinz Smital den Vorgang. Ein plötzliches Versagen des Reaktordruckbehälters könne zu radioaktivem Dampf im Sicherheitsbehälter führen.

Der vertuschte Störfall sei indes kein Einzelfall, kritisiert Greenpeace. Es sei »gängige Praxis« in der deutschen Atomindustrie, Störfälle nicht zu melden und »Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit zu setzen«, sagte Smital.

Nach Angaben von Greenpeace wurde Biblis A im Jahr 2010 wegen Wartungsarbeiten und Überprüfungen zweimal vom Netz genommen. Beim Wiederanfahren am 20. Oktober sei der vorliegende Mangel festgestellt worden. Weder sei die Anlage aber herunter gefahren worden noch der Vorfall in der Liste der meldepflichtigen Ereignisse des Bundesamtes für Strahlenschutz erschienen. Unbekannt sei auch, ob der Schaden vom Kraftwerksbetreiber RWE behoben wurde.

Das hessische Umweltministerium bestätigte den Zwischenfall, wies den Vorwurf der Vertuschung jedoch zurück. Nach Bewertung der Atomaufsicht sei der Zustand des Reaktors sicherheitstechnis­ch nicht von Bedeutung und erlaube nach der geltenden Betriebsgeneh­migung, die Anlage weiterlaufen zu lassen. Der TÜV Nord habe die ergriffenen Maßnahmen als geeignet bestätigt. Es habe zu keiner Zeit eine Gefährdung des Personals oder der Umgebung bestanden.

Die hessische Opposition aus SPD, LINKE und Grünen verlangte am Dienstag von Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) weitere Aufklärung auch zur Informationspolitik des Betreibers RWE.

Quelle: nd-online

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