KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Der Tod Ernst Hinterbergers ist ein Verlust für das linke und antifaschistische Lager

(14.5.2012)

Ernst Hinterberger, 17.10.1931 - 14.5.2012

Der Arbeiterschrif­tsteller und literarische Porträtist der „kleinen Leute“ ist tot.

Der Verlust durch den Tod Ernst Hinterbergers betrifft nicht nur die österreichische Literatur. Er betrifft auch das linke und antifaschistische Lager dieser Republik, dem er Zeit seines Lebens verbunden war und verbunden blieb.

Die Popularität seiner literarischen Gestalten, seien es die Sackbauers in den 70er Jahren, aus der Serie Kaisermühlenblues in den 90er Jahren oder aus der Trautmann-Serie danach, erwuchsen aus der realistischen Sicht Hinterbergers auf das Leben der Menschen, denen diese Gesellschaft ein für allemal nur eine sozial untergeordnete Stellung zuwies. Der Filter des Fernsehens trübte allerdings manchmal die Intentionen des Autors, weshalb Hinterberger auch die Zusammenarbeit mit dem ORF zum Teil von sich aus beendete.

Das Buch „Salz der Erde“ – sein zweiter Roman – dem die Figur des Mundl Sackbauer entsprang zeigte den Antihelden als intoleranten, kleinbürgerlichen Haustyrann, der nichts von der letztendlichen Gutmütigkeit hat, die ihn in der Kultserie für Viele so sympythisch macht. Es ging Hinterberger mit dieser Figur wie Qualtingers Herr Karl, der im Mythos beinahe zu einer Identifikation­sfigur und damit zum Mißverständnis wur­de.

Im Roman „kleine Leute“ schilderte Hinterberger die Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung bis 1934 aus der Sicht einer Wiener Arbeiterfamilie, was 1989 – zum 100.Geburtstag der Sozialdemokratie – zu einer Abrechnung mit dieser Partei geriet.

Ernst Hinterberger, der vor und während seiner schriftstelle­rischen Laufbahn, als Polizist, als Hilfsarbeiter, Bibliothekar und im Expedit einer Fabrik arbeitete, sagte einmal in einem „Volkstimme“-Interview über sich: „Ich bin selbst ein Kleiner, der zwar durch das Schreiben die Großen kennengelernt hat, aber trotzdem in kleinen Verhältnissen weiterlebt“. So sah man ihn nicht nur in seiner kleinen Gemeindewohnung, sondern bis zum Tod seiner Frau Grete 2002 auch im Gänsehäufel vor seiner kleinen Kabine sitzen, sozusagen als Gartenersatz.

Ernst Hinterberger erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen und er gehörte auch zu den Autoren des „Linken Worts“ am Volksstimmefest.

Die „Volksstimme“ faßte einmal das Anliegen Ernst Hinterbergers so zusammen:

Autor jener zu sein, die ihre Lebensumstände nicht mehr ändern können. Und dies ist in der Konsequenz seiner realistischen Gestaltung Anklage gegen die Lebensumstände, die solche Opfer (das Scheitern bis zur physischen Vernichtung) fordern.

M.G.

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