KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Buchbare Kultur

Was bleibt, ausser Scherben, nach Linz'09? (Sujet Ei: Kulturhauptstadt Linz)

Von Alois Franz (3.6.2008)

Der Bürgermeister von Linz, der Landeshauptmann und einige Kulturpolitiker haben von der freien Linzer Kulturszene Post bekommen. Keine besonders freundliche Post, dafür mit Bestimmtheit vorgetragene Forderungen, denn die Lage der freien Kulturszene ist nicht gerade berauschend. Der Kulturentwicklun­gsplan der Stadt Linz, aber auch der Entwurf für zur Kulturleitbild Oberösterreich, verweisen stets auf die Bedeutung der freien Szene, doch die Bedingungen unter welchen die freie Kulturarbeit stattfindet, haben sich nicht zum Besseren gewendet. Die Papiere seien bereits Makulatur gewesen, bevor sie trocken waren, so ein Szene-Vertreter. Das läge keineswegs ausschließlich an den Vorbereitungen zum Kulturhauptstad­tjahr Linz 09, doch werde durch das Kulturhauptstad­tjahr, so die Stellungnahme, Kunst und Kulturarbeit nach neoliberalen, quantifizierbaren und marktfähigen Kriterien beurteilt. Der freien Szene würde mit Ignoranz begegnet, die bisweilen in üblen Diskreditierungen münde. Provokationen und rassistische Vergleiche würden zwar die erhofften Werbezwecke erfüllen, doch der Szene wird damit vor den Kopf gestoßen. Langjährige Aufbauarbeit der freien Szene, die zumeist unter äußerst prekären Bedingungen stattgefunden habe, werde hartnäckig ignoriert, dafür aber verwertbare Produkte und tourismusfördernde Events in den Vordergrund gerückt.

„Linz 09 läuft aus dem Ruder, die Stimmung ist gekippt“, heißt es in der Erklärung, Skepsis uns Ablehnung treten mittlerweile deutlich zu Tage. Doch wendet sich die freie Szene in ihrer Erklärung keineswegs nur an die Intendanz von Linz 09. Verantwortung dafür, dass die prekäre Situation der KulturarbeiterInnen und KünstlerInnen endlich verbessert wird, tragen in erster Linie die hiesigen Politiker. Die kulturpolitische Fehlentwicklung und Linz 09 deuten auf eine nachhaltige Schädigung der Linzer freien Szene hin. Dem stellen die AutorInnen der Stellungnahme einen Forderungskatalog gegenüber, in dessen Zentrum die Absicherung des Budget für die Linzer freie Szene in den Jahren 2010 und darüber hinaus steht. Weiters sollen die Förderprogramme LINZimPULS und LinzEXPOrt verdoppelt werden und die allseits eingerissene Projektförderung müsse durch eine Finanzierung der Strukturen ersetzt werden.

Das zweite Programmbuch für Linz 09, das die Intendanz letzte Woche vorgelegt hat, ist geradezu eine Bestätigung dieses Forderungskatalogs. Die neoliberale Zurichtung einer Stadt, mit dem Mäntelchen der Kultur zu tarnen, das war seit jeher die Aufgabe von Kulturhauptstädten. Die Kultur ausschließlich zu etwas Buchbarem zu degradieren ebenso. „Buchen Sie! Buchen Sie jetzt!“, brüllt der Intendant im Programmbuch, ganz ohne den Versuch einer Täuschung. Es ist alles klar.

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