POSITIONEN & THEMEN

Von Josef Stingl (10.9.2008)
Persönliche Kundenbetreuung ist teuer, sie wird daher eingestellt so
stellt sich die Bahn neu dar: Züge und Bahnhöfe werden ferngesteuert
verwaltet. Statt Kassenschalter gibt es jetzt elektronische
Fahrkartenautomaten, statt ZugbegleiterInnen gibt es im Regionalverkehr immer
mehr schaffnerlose Zuggarnituren, statt mit Fahrdienstleitern besetzte Bahnhöfe
gibt es nur mehr menschenleere Bahnstationen mit zentralen
Lautsprecherdurchsagen. In Vorarlberg beispielsweise sollen bis 2014 alle
FahrdienstleiterInnen für eine in Innsbruck zentralisierte
Betriebsführerzentrale geopfert werden.
Die Leidtragenden, ersteinmal die Bahnbeschäftigten, fürs finanziellen
Gesunden werden sie krankgespart: Durch den schleichenden Personalabbau und
durch die Eingriffe ins Dienst- und Pensionsrecht. Dafür dürfen sie sich vor
Ort die Prügel der KundInnen für die Managementverbrechen abholen.
Da sind wir auch schon bei den Leidtragenden Nummer Zwei, den BahnfahrerInnen.
Kein Bahnpersonal vor Ort mehr, bedeutet für sie sich mit Automaten und
fehlender Infrastruktur abärgern zu müssen. Wer sich mit dem Kartenautomaten
schwer tut, kann sich heute weder auf Fahrkartenschalter, noch auf SchaffnerIn
zurückgreifen. Das heißt auf die Fahrt verzichten oder eine mögliche Strafe
wegen Schwarzfahrens in Kauf zu nehmen. Moderne KundInnenfreundlichkeit
eben.
Noch schlimmer trifft´s gebrechliche, körperlich behinderte und
Kleinkinde-rschiebende Menschen. War es früher so, dass der FahrdienstleiterIn
am Bahnhof bei liftlosen Stiegenauf- und -gängen und ZugbegleiterIn beim Ein-
und Ausstieg half, müssen heute diese Betroffenen entweder selbst für eine
Begleitung sorgen oder halt auf ihre Mobilität verzichten.