KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Hate speech in Linz 09

Von Alois Franz (17.3.2008)

Der Widerstand gegen das Kulturhauptstadt-Projekt Linz 09 ist ein zartes Pflänzchen, noch überwiegen Verärgerung und Frustration in der Kulturszene. Zu offensichtlich sind die Bemühungen der Intendanz, das gesamte Projekt allein auf wirtschaftlichen Erfolg und auf steigende Nächtigungszahlen auszurichten. Daher keimt der Widerstand, und angesichts der beleidigenden Reden der Intendanz und der Erkenntnis, dass das Projekt Kulturhauptstadt einzig ein Spektakel, das alleine die Kapitalisierung sämtlicher Facetten einer Stadt zum Inhalt hat, wird er sich entwickeln.

Kürzlich hat das Theater Phönix, eine renommierte Mittelbühne in Linz, die Zusammenarbeit mit Linz 09 beendet, weil Linz 09 alleine die Räumlichkeiten und das Geld des Theaters wollte, nicht aber das Ensemble und die künstlerische Produktion des Hauses. Die Begründung des Theaterleiters, man wolle sich nicht die Seele rauben lassen, quittierte der Linz 09-Intendant folgendermaßen: „Wir kennen das aus ethnologischen Berichten: Mit dieser Begründung wollten sich Eingeborene nicht fotografieren lassen. Das trifft die Sache ganz gut: Da wehrt sich jemand dagegen, auf eine andere Weise wahrgenommen zu werden als auf die, die er kennt. Solche Sprache sagt wohl mehr über den Konflikt, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.“

In der Tat, diese Sprache sagt wirklich viel aus über den Konflikt. Sie macht Heller kenntlich. Was Heller vorbringt ist eine Sprache des Hasses, eine Sprache der Verurteilung, eine Sprache, die verletzt; Hate Speech, wie dies Judith Butler formuliert hat. Heller will mit dieser Sprache Hierarchien etablieren und festigen, er will Identitäten festlegen und damit Ausschlüsse herstellen. Er konstruiert eine Sprechsituation, die ihn in die Lage versetzt, zu urteilen und sein Gegenüber in die Lage bringt das Urteil anzunehmen. Denn ein Einspruch wäre nur eine Bekräftigung des Urteils. Solidarität mit den so Verurteilten, soll erst gar nicht möglich werden, weil diese Sprache eine mögliche Gleichheit der Angesprochenen, und damit eine Solidarisierung von vornherein ausschließt. Es ist ein Sprechakt, der alleine sich selbst Legitimation zuschreibt, und die Sprachmacht eines möglichen Widerstandes von vornherein delegitimiert.

Aber die Antwort jener, denen mit dem Sprechen des Intendanten, die Subjekt-Position genommen worden ist, jenen, die zum Objekt der Anschauung (und des Beherrschens) gemacht werden sollen, kann ohnehin nicht sein, mit der selben Sprache zurückzufeuern. Sie würden nicht gehört werden. Aber ein Schweigen, welches sich in einem Kulturstreik äußert, wäre gewiss hörbar.

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