POSITIONEN & THEMEN

Von Waltraud Fritz-Klackl (10.4.2008)
Während Andreas Salchers Buch: „Der begabte Schüler und seine Feinde“ (Schülerinnen fallen wohl nicht unter die Kategorie. Woraus frau den Schluss ziehen muss: Entweder sind sie nicht hochbegabt oder sie haben keine Feinde) derzeit die Bestsellerlisten anführt, gibt es an jener Schule, die Salcher laut eigenen Angaben mitbegründet hat, offensichtlich Probleme.
An der Sir Karl Popper Schule für Hochbegabte (früher „Wiedner Gymnasium“) hat der Direktor Videoüberwachung beantragt: Der „Presse“ vom 10. April zufolge hätten Schüler bereits vor Weihnachten versucht, eine Toilette zu sprengen. Derzeit werden laufend Steckdosen aus der Wand gerissen. Das Blatt zitiert Direktor Schmid: „Da hängen stromführende Kabel heraus. Hier besteht Lebensgefahr für die Mitschüler.“ Und weiter auf die schriftliche Anfrage der Datenschutzkommission, ob alle anderen Mittel bereits ausgeschöpft seien: „Wir haben seit Jahren alles Menschenmögliche versucht, einfach alles, was die Pädagogik anbietet. Das hat derartige Dinge nicht verhindern können“. Also ganz offensichtlich brennt nicht erst seit sechs Monaten der Hut. Die ultima Ratio ist nun offensichtlich Videoüberwachung.
Abgesehen davon, dass Hochbegabtenförderung in Österreich unter der Ägide eines Bestsellerautors für Begabungsentwicklung offensichtlich zu einem beträchtlichen Aggressionspotential und zu sozialen Verhaltensstörungen führt, ergeben sich aus diesen Erfahrungen noch andere, möglicher Weise wünschenswerte, weil kostengünstige, Möglichkeiten.
Dieses Modell schreit förmlich nach Nachahmung und Verbreitung. Da Salcher die quasi „natürlichen“ Feinde der begabten Schüler nicht nur ausfindig gemacht sondern auch öffentlich benannt hat, und Überraschung es sind die PädagogInnen können diese ja eingespart und nahtlos durch „Big Brother“ ersetzt werden.
Direktor Schmid hat angekündigt, dass, sollte die Videoüberwachung nicht genehmigt werden, er seinen Hut nehmen würde. Einfacher und billiger wäre es, er würde schlicht und einfach durch die Videoüberwachung ersetzt.