POSITIONEN & THEMEN

Von Josef Stingl (17.11.2008)
Die Post darf nicht zur AUA werden, meinte Kanzleranwärter Werner
Faymann, vergaß aber zu erwähnen, dass er es laut profil war, der als
Infrastrukturminister erst im Oktober das Zusperren von über
zwanzig Postfilialen genehmigt hat. Die Post will nur mehr vom Schreibtisch
aus Post spielen, den PostlerInnen bleibt nichts anderes mehr übrig, als zu
streiken, meint der Tiroler Postgewerkschaftschef und AK-Präsident Erwin
Zangerl und vergisst aber, dass er seit Jahresbeginn den PostlerInnen noch immer
einen Streik gegen Personalkürzungspläne schuldig ist. Diese Liste der
Doppelzüngigkeiten ließe sich noch lange weiterführen.
Jetzt stehen wir vor dem Problem, dass der Börsengang, die EU-Liberalisierung
der gelben Post und damit verbundene Profitgier der AktionärInnen rund
1.000 Postämter und 9.000 Post-Arbeitsplätze kosten könnte. Dazu kommt noch
die 1.500 BeamtInnen betreffende Entsorgungsaktion bei der Telekom.
Bevor Angst und Schrecken alles übertüncht, einige Zahlen: Die
Österreichische Post schreibt schwarze Bilanzen. Im Vorjahr machte Brief-Post
einen Gewinn von 274,3 Millionen Euro, die Sparten Paket und Filialen kamen auf
immerhin noch 26,4 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr konnte der Gewinn sogar
noch um weitere zwei Prozent gesteigert werden. Die Postaktien verzeichnen seit
dem Börsengang einen 60-prozentigen Kursanstieg. Finanz-Tsunami-Stimmung ist
daher nicht angebracht. Natürlich geht es der Telekom im Festnetzbereich nicht
gerade rosig, aber man darf hier nicht die hochprofitable Handy-Tochter Mobilkom
vergessen.
Fakt ist, dass mit dem Kniefall vor der EU-Postliberalisierungsrichtlinie ab
2011 nicht nur die Zustellung von Werbepost- und Paketsendungen von privater
Hand möglich ist, sondern auch qualifizierte Post in Form von Briefen bis
zu 50 Gramm. Um dem gegensteuern zu können, wird es nicht helfen, zehntausende
PostlerInnen in einen Mobbing-Pool", ins Ausgedinge oder auf die Straße
abzuschieben und einen Großteil der Postämter an sogenannte PostpartnerInnen
zu verschenken.
Man könnte beispielsweise nach Deutschland schauen, wo ein Kollektivvertrag
für Paketzusteller verhindert hat, dass zu Schandlöhnen angestelltes
Zustellpersonal eine ganze Branche ruiniert und sich in Österreich für
einen Branchenkollektivvertrag für Post- und PaketzustellerInnen einsetzen.
Man kann aber auch eine Rücknahme der Post-Privatisierung und das Aussetzen der
EU-Liberalisierungsrichtlinien beschließen. Und das rasch, sonst heißt es
bald Post.ade statt Post.at.