KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Ümit Korkmaz Ivica

Von Wolf-Goetz Jurjans (17.6.2008)

Fast am Ende der ersten Halbzeit des Euro 08 Turniers kann ich ein erstes positives Resümee ziehen. Vom Standpunkt eines Ex-Linzers und Exil-Margaretners, der jetzt in Rudolfsheim-Fünfhaus lebt, bin ich mit dem Spielgeschehen mehr als zufrieden. Die tollen Leistungen der kroatischen und der türkischen Mannschaft haben die Ottakringer Straße zur eigentlichen Wiener Fan Meile werden lassen. Ohne UEFA, zu vernünftigen Bierpreisen und Biermarken ohne Knebelverträge geht in der Vorstadt die Post ab. Das Selbstvertrauen der von den innerstädtischen Mittelschichten und Bürgern „Prolos“ genaserümpften eingewanderten ArbeiterInnen wächst täglich. Jahrzehntelange Frustrationen kanalisieren sich auf ausgelassene, friedliche und freudige Weise.
Dank eines Elfmeters in der Nachspielzeit, den mit Ivica Vastic ein Ex-Jugo mit derzeitigem Arbeitsplatz Linz eingenetzt hat, bleibt auch dem eingeborenen Proletariat eine Alternative dazu nur mehr Strache zu wählen, besteht nun doch die Möglichkeit, den Piefkes eines auszuwischen. Es wäre eine Wiener Sternstunde, würde „uns“ das, durch ein Tor von Ümit Korkmaz gelingen, der im Forstneritsch-Park in Rudolfsheim-Fünfhaus mit dem Kicken begonnen hat, und durch seine Schnelligkeit und seinen Zug zum Tor brandgefährlich für die Löwtruppe werden kann.
Ümit heißt Hoffnung und Korkmaz heißt furchlos.
Der Name des jungen Mannes, der jetzt von Rapid Wien zu Eintracht Frankfurt wechseln wird, benennt, was auch die NOEURO Bewegung durch ihre Aktivitäten im Sinn hat.
Nämlich, sich furchtlos gegen die rollenden Angriffe der neoliberalen Arbeitszeitver­längerer, Arbeitsplätze­vernichter, kommunales Eigentum Privatisierer zu stellen, gegen die Präkarisierer und Verunsicherer des ganzen Lebens, die mittlerweile den Öl- und mit ihm die Nahrungsmittel­preise in schwindelnde Höhen treiben.
Mit dem Elfmeter in der Schlussminute haben die irischen NOEUROS (die Bauern und die Arbeiterschaft) den sogenannten Reformvertrag­seliten in der EU eine Wuchtel hineingeschnalzt, die sich sehen lassen kann. Die EU Kommission wird nach der Pause sicher umstellen müssen.
In Wien denkt man auch an größere Veränderungen der Österreichischen Mannschaft. Im Vereinslokal von Rosa -Weiß-Rosa, dem Wiener Rathauskeller, wird in Permanenz getagt.
Der Rathauskeller­meister Häupl hat den Vereinsmitgliedern verboten, auf ihren Balkonen Aufstellugsva­rianten zu diskutieren. Aufstellungssache ist Bonzensache. Sicher ist, dass die mit hohen Erwartungen vom FC Krems gekommene Sturmspitze Alfred Gusenbauer ausgewechselt werden muss. Entgegen seinen eigenen Ankündigungen hält sich Gusi vorwiegend im eigenen Strafraum auf, liegt mehr aus als er steht, und lässt sich von einem in mäßiger Form befindlichen Gegner ein Türl nach dem anderen hineindrücken. Gusi wird auch deshalb besonders kritisiert, weil er selbst es ist, der mit eigenen Vorlagen der Molterertruppe eine Torchance nach der anderen ermöglicht.
Die SPÖ Ultras in der Westkurve haben die Hoffnung längst aufgegeben und skandieren „Rache mit Strache“.
Die Wiener NOEUROs arbeiten in der Zwischenzeit ein einer Alternative zu diesem Unsinn.
Sie wollen die Armut sichtbar, die Verursacher der Armut erkenn- und benennbar machen, sie wollen konkret für die Betroffenen spürbare Verbesserungen der Lebensverhältnisse durchsetzen.
Sie ziehen am selben Strang wie die F13, die mit einer Reihe von Aktionen die Stadt für die Menschen, nämlich die, die alle gleich sind, zurückgewinnen wollen und wie die KPÖ, die durch ihre Kampagne für eine radikale Tarifreform sowohl ökologische als auch soziale Ziele verwirklichen will.
Hoffnung machen für diese Bemühungen Berufsgruppen, die nicht aus der Arbeiterschaft kommen, die aber schon verstanden haben, dass man selbst etwas machen muss, um den neoliberalen Amoklauf zu stoppen. Die Milchbauern, die Ärzte, die Fernfahrer, die Taxler, ja selbst die Standelbetreiber in der Wiener Fanzone beginnen sich gegen die Unverschämtheiten der Neoliberalen organisiert zu wehren.
Nach dem 0:9 gegen Elsner heißt nun zwar der ÖGB “ÖGB Neu”, spielt aber im wesentlichen mit der alten Mannschaft weiter. Dementsprechend holt er sich noch immer die Weisungen von der gegnerischen Trainerbank und kann daher nicht für die NOEUROs in den Spielverlauf eingreifen.
Es wird Zeit, dass kampfstarke Spieler aus dem BetriebsrätIn­nenteam und kampfwillige Junge aus dem Kader endlich zum Einsatz kommen und dem ideenlosen klein klein Spiel einmal eine neue Orientierung geben.
ÜMIT, die Hoffung lebt, Korkmaz. Furchtlos.
Mutig in die neuen Zeiten. Die Vorstadt fühlt es. Die Innenstadt fürchtet es.
Die Stadt und ihre Menschen brauchen es.
Trappatoni formuliert: „Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner den Ball hat, ist die Frage, warum hat der Gegner den Ball.“
Also: Warum eigentlich?

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