POSITIONEN & THEMEN
es stinkt ...Von Claudia Krieglsteiner (11.7.2008)
des kann ka Guada sein …
… heißt es in einem Wiener Lied und immer wieder werden wir mit Nachrichten konfrontiert, die mich an dieses Lied denken lassen.
Jüngst wurde in Italien ein Lager mit Milchprodukten aus den 80er (!) Jahren gefunden. Die Produkte waren – wenig überraschend – völlig vergammelt, voller Mäuse-Exkremente und Schimmel. Aus diesem Rohmaterial ließ ein Unternehmer „frischen“ Käse herstellen. Daraus wurden, soviel konnte bisher nachvollzogen werden, 11.000 Tonnen Gorgonzola, Mozzarella und Schmelzkäse hergestellt und nach Deutschland und Österreich verkauft. Der Unternehmer hatte laut Medienberichten daran bereits an die zehn Millionen Euro verdient.
Vor wenigen Wochen gab es schon einmal Aufregung um Büffel-Mozarella aus Italien: Die Büffelkühe hatten dioxinverseuchtes Futter bekommen und im Käse konnte Dioxin weit über den erlaubten Richtwerten nachgewiesen werden.
Gammelfleisch und Wurstwaren aus Deutschland machte vor ca. einem Jahr über Wochen Schlagzeilen, die nichts für senible Magennerven waren. Im vergangenen Dezember ging es um verdorbenes Wildfleisch, das von der Lebensmittelpolizei aus den Verkaufsregalen beordert wurde und wegen dem KonsumentInnen im Radio aufgefordert wurden, es keinesfalls zu essen.
Es liegt auf der Hand, dass für Unternehmer, die solche Geschäfte machen, das Riskio erwischt zu werden nicht allzu groß zu sein scheint und die Angst vor eventuellen Konsequenzen nicht die Gier nach dem schnellen und großen Geld übersteigt.
Wie schrieb Karl Marx im 1. Band des Kapitals: „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.“
Bleibt aber dennoch eine Frage für mich offen.
Diese Käse- und Wurst-Fabrikanten machen sich an diesen Nahrungsmitteln in ekelerregenden Zuständen wohl kaum selbst die Hände schmutzig. Also was geht in den Köpfen der Arbeiter und Arbeiterinnen vor, die in der Produktion, der Verpackung, der Lagerung, dem Transport oder dem Verkauf solcher „Güter“ arbeiten. Haben sie volle Kenntnis oder wollen sie es nicht so genau wissen? Denken sie an die KonsumentInnen, die dieses Zeug zu sich nehmen werden? Ist ihre Angst davor, keine Erwerbsarbeit zu haben, wirklich so groß?