POSITIONEN & THEMEN

Von Josef Stingl (20.10.2008)
Voraussichtlich am kommenden Freitag wird das Ergebnis der
Metaller-Herbstlohnrunde 2008 feststehen sie wird traditionell als Leitlinie
für die KV-Lohnrunden der anderen Branchen dienen. Die Zahlen sind gut,
„angesichts einer Teuerung von rund vier Prozent und einem Wachstum von über
zwei Prozent sind Lohnforderungen von sechs Prozent durchaus gerechtfertigt“,
so der Gewerkschaftliche Linksblock (GLB) auf seiner Oberösterreichischen
Landeskonferenz.
Die lohnpolitische Realität lässt leider anderes befürchten: Während die
Unternehmen fette Gewinne schreiben und die Manager auf allen Ebenen satte
Prämien einstreichen, haben sich die Reallöhne in den letzten 15 Jahren
rückläufig entwickelt. Bei der diesjährigen Lohnrunde berufen sich die
UnternehmerInnen auf eine bevorstehende Rezession. Die Inflationsabgeltung sei
zwar auch für sie unumstritten, sie stellen sich darüberhinaus aber moderate
Gehaltserhöhungen vor kombiniert mit erfolgsabhängigen Prämien als
Einmalzahlung. Alles andere wäre für sie ein Finanz-Tsunami, und erste Wellen
hätten sich beim Finanzcrash schon aufgebaut.
Klingt irgendwie gut, ist aber volkswirtschaftlich gesehen totaler Nonsens:
Für die Berufstätigen sind nur kollektivvertragliche Erhöhungen auch
bleibende Werte. Nur sie wirken sich für ihre künftige Lohnentwicklung und
für ihre künftige Pensionszahlung positiv aus. Außerdem wirken dauerhafte
Erhöhungen kaufkraftsichernd und so konjunkturstabilisierend auch daran
muss bei Lohnverhandlungen gedacht werden.
Wie gesagt am Freitag wissen wir, ob die Gewerkschaft diesmal hart bleibt und
sich nicht auf das reallohnsinkende Einmalzahlungsspiel einlässt. Selten war
die öffentliche Meinung so gut wie dieser Tage, die Sympathie der
Öffentlichkeit so eindeutig verteilt: Rekorde bei den Unternehmensgewinnen,
verdoppelte, verdreifachte Manager-Gagen und eine Teuerungswelle, die den
Menschen riesige Löcher in das Haushaltsbudget reißt. Geht es nach dem
Bevölkerungswillen, sind jetzt endlich mal die Beschäftigten dran. Da muss es
ja um einiges leichter sein, bei den Metallerlohnverhandlungen Rückgrat zu
zeigen und gegebenenfalls auch Mal gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen
einzusetzen. Noch dazu, da der Metallerabschluss immer noch Vorbildwirkung für
die anderen Lohnabschlüssen hat.