POSITIONEN & THEMEN

Von Wolf-Goetz Jurjans (9.11.2008)
Tausende Bürger sind in den Zahlungsstreik getreten. Der Energiekonzern hat
15 von ihnen verklagt. Aber den Gasrebellen geht es mittlerweile um deutlich
mehr, als um ein paar Euro.
Die Bürgerinitiative ist so etwas wie die Speerspitze im immer mehr ausartenden
Kampf der Verbraucher gegen Gasversorger. Schon seit 2004 verweigern sie und
die anderen Gründungsmitglieder der Initiative die erhöhten Rechnungen ihres
Anbieters.1700 sind es mittlerweile, die nur den alten, niedrigeren Preis
zahlen, 6000 zahlen nur unter Vorbehalt. Auf rund eine Millionen, so habe sie
ausgerechnet, belaufe sich der Schaden für den Energiekonzern mittlerweile. Die
Rebellen beziehen sich auf den Paragraph 315 des BGB. Der schreibt fest, dass
der vom Verkäufer festgesetzte Preis der „Billigkeit“ entsprechen muss. Auf
gut Deutsch: Er muss angemessen sein, sich also an den Kosten des Versorgers
orientieren. Es dürfen nicht einfach irgendwelche Phantasiepreise verlangt
werden. Genau das vermuten aber die Zahlungsverweigerer. Sie halten das
„Gerede“ von höheren Bezugskosten für gelogen und vermuten hinter den
drastisch gestiegenen Preisen reine Gier: „Das sind reine Abzockerpreise“ .
Lieber Leserin, lieber Leser! Die Rede ist natürlich nicht von Wien (oder St.
Pölten). Weltweit ist der Kapitalismus in eine tiefe Krise geraten, beginnen
Menschen, sozialen Widerstand zu leisten, führt die tiefe Frustration zum Wusch
nach Wandel, kann man mit Mutmachen eine Wahl gewinnen. Selbst die Bayern,
mental ähnlich flexibel wie die WienerInnen, haben der CSU zu zehntausenden die
Gefolgschaft verweigert.
Aber: Wien ist anders.
Zwar steigt der Gaspreis ebenso wie in anderen Ländern, aber die haben keine
Renate Brauner, keine Wiener SPÖ Clique, keine Wien-Holding und keine
BewohnerInnen, die sich bis zum Abwinken alles gefallen lassen.
Hallöchen-Renate, in derem engsten Beraterkreis vor dreißig Jahren noch
Che Guevara mitarbeitete, die jede Sozialismusvision außer der Eigenen für
meschugge erklärte, die ihren MachiavellI natürlich mit großem I schreibt,
hat eine Theaterwoche hinter sich, die nahelegt, wie sie das magische Yes, we
can interpretiert. Wahlweise als: Wir können uns alles leisten, wenns
einigeht oder als: Yes, you can … us, Buckelfünferln.
Eine Woche lang trommelte der Braunersche Medienverbund, dass Frau Renate für
eine Gaspreissenkung eintitt, dass sie den Gaspreis genau beobachtet und dass
sie alles tut, was sie nicht lassen kann. Zum krönenden Abschluss erklärte sie
stolz die Vollzugsmeldung: Wien hat Wort gehalten. Der Gaspreis wird im Februar
um acht Prozent sinken.
In den Hintergrund geriet dabei der Fakt, dass der Gaspreis während der
Heizperiode um 21 % steigen wird und nach einer Reduktion von 8 Prozent noch
immer 13 Prozent höher sein wird als jetzt.
Es ist eigentlich unglaublich, nein, es kann nicht sein, dass es in der
Milionenstadt Wien nur Menschen gibt, die sich widerstandslos für so dumm
verkaufen lassen.
GAS GEBEN
Auch wenn in dieser Stadt change, als Änderung nicht gefragt ist, (weil die
Stadtpropaganda von Wien behauptet, schon anders zu sein), gebe ich die Hoffnung
darauf nicht auf.
Dazu ein Veranstaltungshinweis: Vom 10. bis 14. November, also noch
rechtzeitig vor Anhebung der Preise finden im Wien
Energie-Haus,1060 Mariahilfer Straße 63, eine Reihe von Veranstaltungen
statt. Für die Anwesenheit interessierter StadtbewohnerInnen ist gesorgt.
Es wäre schön, würde sich eine außerordentliche Veranstaltung mit der
Verhinderung der Gaspreiserhöhung befassen. Bevor in der nahenden
Weihnachtszeit bei tausenden WienerInnen Strom und Gas abgedreht werden, wäre
dann die Frage nach dem Licht im Dunkeln bereits im November geklärt: Ist da
jemand?
PS: Alle Aktivitäten und Veranstaltungen im Rahmen der Wien Energie
Sparwochen im Wien Energie-Haus