KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Funktionieren, leisten, gehorchen, strafen

Schwer bepackt am Weg zur Schule ...

Von Bärbel Mende-Danneberg (5.3.2009)

Ist mein Kind tauglich für diese Gesellschaft? Wie mache ich mein Kind fit für die Leistungsgese­llschaft? Die Verunsicherung ist groß. Meinen die einen, die antiautoritäre Erziehung habe mit ihrer Freizügigkeit irreversible Schäden bei den Kindern hinterlassen, deren Resultate heute Aufsässigkeit, Gewalt und Egoismus seien, plädieren die anderen für mehr Freiraum und Eigenverantwortung für Kinder, ohne die soziales Verhalten und kreativer Umgang mit Problemen nicht erlernbar seien.

Auffallend bei diesen Debatten ist, dass, wie gehabt, den Eltern der Schwarze Peter zugeschoben wird und sie allein gelassen werden mit ihren Problemen. Sie sind es, die entweder zu locker, zu streng, zu nachsichtig oder zu brutal mit ihren Kindern umgehen würden. Die „gesunde Watschn“ wird heute wieder zunehmend akzeptiert, und dass kleine Kinder sich mit Schultaschen schwer wie Kartoffelsäcke abschleppen müssen, hatte auch schon einmal zur Vergangenheit gehört. Kein Aufschrei, kein Protest. Und so wurschteln sich die meisten eben irgendwie durch die Anforderungen einer konkurrierenden Leistungsgese­llschaft, wenn auch mit hängender Zunge.

Welche Bedingungen Eltern haben, um ihren Kindern jene Voraussetzungen zu bieten, die gesellschaftlich eingefordert werden, wird hingegen schon gar nicht mehr hinterfragt. Da ist es ganz selbstverständlich, dass die Alleinerzieherin ihren Kindern nachmittags bei den Schulaufgaben helfen muss, obwohl sie ganztags berufstätig ist und nicht weiß, woher sie die Zeit nehmen soll oder das Geld für Nachhilfe. Da ist es ganz normal, dass für den Skikurs 350 Euro zu zahlen sind, obwohl das ein Drittel des Familieneinkommens ausmacht und der Vater gerade auf Kurzarbeit gesetzt wurde. Und natürlich fragt niemand, in welchem Maß die Zunahme von Armut und steigende Arbeitslosigkeit bis hinein in den Mittelstand die Eltern und deren Kinder verunsichern und mutlos in die Zukunft blicken lassen.

Hinterfragt wird auch nicht, unter welchen Bedingungen LehrerInnen mit diesen Mängeln einer Gesellschaft umgehen sollen, die nach dem Leistungsprinzip der Auslese funktioniert. Da werden bürokratisch zwei Stunden Mehrarbeit verordnet, jedeR müsse schließlich einen Beitrag zur Beseitigung der Wirtschaftskrise leisten. Unterstellt wird damit, Lehrkräfte würden eben nicht genug leisten. Dass aber schon in den vergangenen Jahren der Lehrberuf als Hängematte (Ferien) diffamiert und mit etlichen bürokratischen Zusatzaufgaben (Schulautonomie) überfrachtet wurde, hinterlässt Spuren im Engagement. Anzunehmen ist, dass LehrerInnen, die sich für die Förderung und den sozialen Zusammenhalt ihrer Schützlinge aufreiben, heute noch mehr resignieren und dass junge LehrerInnen noch weniger Chance auf Anstellung haben.

Bleibt unter dem Strich die Frage: Ist es überhaupt sinnvoll, sich fit für diese Leistungsgese­llschaft zu machen, in der die Schwachen und Armen sowieso den Kürzeren ziehen und den Reichen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise die Milliarden nur so nachgeschmissen werden?

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