POSITIONEN & THEMEN

Von Walter Baier (15.3.2009)
Der Zusammenbruch auf den US-amerikanischen Hypothekenmärkten bildete bekanntlich den Auslöser einer Finanzkrise, die sich inzwischen zur Weltwirtschaftskrise ausgewachsen hat. Dem Nachrichtenmagazin profil fällt auf, dass es auch auf der Insel der Seeligen ungemütlich wird.
Im Leitartikel der letztwöchigen Ausgabe (Die große Leere) beschreibt ein Herr Michael Nikbaksch die Misere des österreichischen Bildungssystems, das drauf und dran sei, die Arbeitslosen von morgen heranzuziehen.
Da ist was dran. Jahrzehnte lang wurde das österreichische Bildungssystem allen Warnungen von ExpertInnen, LehrerInnen und SchülervertreterInnen zum Trotz, finanziell ausgetrocknet. Kleine Klassen, ganztägige Betreuung und Gesamtschule wurden auf den Altären einer kapitalfreundlichen Steuerpolitik und den Budgetrichtlinien der EU geopfert.
Doch nicht die verfehlte Bildungs- und Finanzpolitik werden nun für den katastrophalen Zustand in den Schulen verantwortlich gemacht. Im profil liest man: Die Lehrergewerkschaft wird zu einer Hypothek der Volkswirtschaft.
Gemeint ist der gewerkschaftliche Widerstand gegen die von der Bildungsministerin zugemuteten, unabgegoltenen Mehrleistung, das heißt gegen eine Gehaltssenkung von immerhin zehn Prozent. Wenn aber bereits die Vertretung so elementarer Mitgliederinteressen durch eine Fachgewerkschaft eine volkswirtschaftliche Hypothek dargestellt wird, dann gilt das wohl für die Gewerkschaften im Allgemeinen.
Wir reden also nicht mehr über Bildungs-, sondern über Gesellschaftspolitik. Derselben Logik folgend gelangt vielleicht demnächst ein Politiker zur Erkenntnis, dass die freie Presse eine Hypothek der Volkswirtschaft sei.
Doch keine Angst, in den Redaktionen arbeitet man bereits daran, diese Hypothek in vorauseilendem Gehorsam abzutragen.