KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Noch einmal zur Quotendiskussion, im Ernst?

Seilschaften ohne Frau – noch immer oft die Regel im Wirtschaftsleben ... (Foto: Seilerei Kislig)

Von Claudia Krieglsteiner (13.11.2009)

Die SP-Frauenministerin, Heinisch-Hosek, hat mit dem Hinweis auf Norwegen den Vorschlag in Diskussion gebracht, dass Aufsichtsratspositionen heimischer Unternehmen quotiert vergeben werden sollen, bis 40 Prozent mit Frauen besetzt sind.

Nicht, dass Feministinnen oder Linke die Illusion verbreiten, dass das irgendetwas an den kapitalistischen Strukturen ändern würde. Selbst eingefleischte SPlerinnen können nicht argumentieren, dass die Dinge unter Frau Ederer bei Siemens Österreich nun gravierend anders laufen: Massenkündigungen, Arbeitsdruck und internationales Ausspielen der Belegschaften gegeneinander mögen (wie sie selbst behauptet) Frau Ederer mehr schlaflose Nächte bereiten, als ihren männlichen Pendants, für die betroffenen KollegInnen ändert das nichts.

Warum also über quotierte Aufsichtsräte überhaupt sprechen? Hellhörig sollte eine werden, wenn Leute wie der Herr Griesmayr, Generaldirektor der VAV-Versicherungs-AG und hoher CV-Funktionär, sich die Mühe machen und gegen so einen Vorschlag mobilisieren. Bezeichnender Weise stellt ihm „Der Standard“ dafür ausreichend Platz zur Verfügung.

Seine Argumente sind so alt, wie die Debatte: „Welche Frau würde sich im Wissen wohlfühlen, einen Job nur per behördlich vorgeschriebener Regelung und nicht wegen der Fähigkeiten erhalten zu haben?“ Herr Griesmayr gestattet sich unter der Hand, Frauen prinzipiell geringe Kompetenz zuzuschreiben. Bekanntlich haben Frauen in den letzten Jahrzehnten aber in den Bildungsabschlüssen und Qualifikationen im Vergleich zu Männern nicht nur auf- sondern überholt. Und dennoch stoßen sie nach wie vor, sowohl im öffentlichen Beschäftigungssek­tor, wie in der Privatwirtschaft an die gläserne Decke. Nach Griesmayr ein Ding der Unmöglichkeit, weil sich „die Wirtschaft nicht von irrelevanten Kriterien wie dem Geschlecht des Arbeitnehmers beeinflussen lässt.“

Dass aber „die Wirtschaft“ keine Einstellungsges­präche führt und auch keine Karrieresprünge beschließt, ist dem Herrn nicht unbekannt, gerade als CVler weiß er nämlich, was Männerseilschaften alles zu bewerkstelligen im Stande sind, auch wenn das beim CV gerne etwas verschämt „Lebensfreundschaf­t“ genannt wird.

Obwohl er sich im Zusammenhang mit den jüngsten Vergleichen von Frauen- und Männerlöhnen (und Gehältern), die eine Benachteiligung der Frauen von rund 40 Prozent (!) ergeben, gegen statistische Beweisführungen ausspricht, weil diese „unprofessionell“ seien, kann er selbst sich nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass „Frauen bei den Pensionszahlungen das andere Geschlecht um Längen schlagen. Obwohl sie nur 37 Prozent der Beiträge leisten, bekommen sie 49 Prozent der Leistungen.“ Da grämt man sich doch, wenn man scheinbar das bessere Los gezogen hat und dann doch (statistisch betrachtet) früher den Löffel abgeben muss!

Genau weiß ich es nicht, aber die Vermutung liegt nahe, dass auch die VAV-Versicherungs-AG in den letzten paar Jahren keine kleinen Summen verspekuliert hat.

Könnten wir uns nicht zumindest darauf verständigen, dass die für dieses Desaster Verantwortlichen aller Chefetagen, einfach ein paar Jahre lang öffentlich den Rand halten?

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