POSITIONEN & THEMEN
Derzeit vergeht fast kein Tag ohne die Ankündigung irgendwelcher Schulreformen. Rechtzeitig zu Schulbeginn entsteht damit der Eindruck, dass eine Flut von Neuerungen unser marodes Bildungssystem von Grund auf verbessert habe oder zumindest kurz davor stehe.
Bei genauerer Sicht stellt sich jedoch heraus, dass es sich im Grunde um heiße Luft oder sogar um Sparmaßnahmen des Ministeriums handelt.
Da wäre einmal die „Neue Mittelschule“ oder „Neue Wiener Mittelschule“, die mit großem Mediengedröhn angekündigt wurde. Schade, dass von 25 neu teilnehmenden Schulen gerade einmal 5 Gymnasien sind. Also handelt es sich wieder einmal um eine Mogelpackung mehrheitlich Hauptschulen, an denen ein paar AHS-LehrerInnen unterrichten. Wieder eine Schulform mehr für die 1014jährigen, wieder eine Chance für die flächendeckende Einführung einer modernen Gesamtschule vertan, wieder viel Geld für eine Zwischenlösung verschwendet.
Zweitens gibt es da die Ankündigung eines neuen Dienstrechts, das den BerufsanfängerInnen mehr Geld (dringend nötig!), aber auch eine höhere Lehrverpflichtung bescheren soll. Abgesehen von fehlenden Beschlüssen stellt sich hier die Frage, wie denn die Frau Minister diesmal mit der zugegebenermaßen lästigen Gewerkschaft umzugehen plant, denn „leider“ ist die Zeit des Absolutismus nun einmal vorbei. Ob sie die eigene Partei wieder im Regen stehen lässt oder aber für diesen Fall eine Personalrochade vorbereitet hat, kann man jetzt noch nicht wissen, dass es sich um keine Reform, sondern eine Sparmaßnahme handelt, jedoch sehr wohl.
Die Idee, alle LehrerInnen in den Bundesdienst zu nehmen meiner Meinung nach eine wichtige Voraussetzung auf dem Weg zu einer einheitlichen Ausbildung und Bezahlung wurde bereits von diversen Landesfürsten abgeschmettert.
Der Rest ist bescheiden: Kein „Sitzenbleiben“ mehr, sondern Förderkurse in einzelnen Fächern dies ist eine Maßnahme zur Einsparung. (Vielleicht ist es der Frau Minister entgangen, dass auch jetzt schon niemand mehr mit einem Nicht genügend sitzen bleibt, es sind deren drei nötig.) Wenn zu diesem Problem passende Lösungsmöglichkeiten gefunden werden, so wäre das eine gute Sache, Schulreform aber ist es keine.
Tatsache ist, dass der Frau Minister oder ihrer NachfolgerIn? – in den nächsten Jahren stattliche Mehrausgaben ins Haus stehen. Ein Großteil der LehrerInnen befindet sich in höheren Gehaltsstufen, nach der Pensionierungswelle werden Mehrdienstleistungen für die Verbliebenen anfallen. Dieser Tatsache ist man sich im Ministerium spät, aber doch bewusst geworden, und versucht nun mit Gewalt dagegen zu rudern (Höhere Lehrverpflichtung, Gratis-Supplierungen, …). Statt Schulreformen oder Reförmchen gibt es ein paar Happen für die Medien, die begeistert danach schnappen: „Österreichs Lehrer (sic!) arbeiten zu wenig, verdienen aber zu viel.“ (Der Wahrheitsgehalt der genannten Zahlen spielt dabei wenig Rolle.)
Das Problem wird aber so keineswegs gelöst: Weder ist man in Sachen Schulreform wirklich weiter gekommen, noch wird sich der Personalengpass durch regelmäßige LehrerInnenbeschimpfungen lösen lassen.
In Wirklichkeit hilft nur eines: ein höheres Bildungsbudget, das echten ExpertInnen erlauben würde, in Ruhe eine mutige und umfassende Schulreform mit einer universitären LehrerInnenausbildung, der Entwicklung einer flächendeckenden Gesamtschule der 1014jährigen, einer Oberstufen- und Maturareform zu konzipieren.
Denn Bildung kostet. Aber Österreich ist ein reiches Land.