POSITIONEN & THEMEN
Cartoon: Karl Berger http://www.zeichenware.at/Von Claudia Krieglsteiner (17.12.2010)
Ganz wie es sich im Neoliberalismus gehört, konzentriert Burnout auf den Zustand in dem sich jemand befindet. Fragt nicht danach, welche Rolle die Verhältnisse spielen, um diesen Zustand herbeizuführen. Ausgebrannt zu sein heißt, dass man etwas nicht richtig gemacht hat, mit einer Anforderung nicht gut umzugehen wusste, ja sich womöglich gehen hat lassen, statt aktiv an sich zu arbeiten.
Erträglich wird diese Bewertung dadurch, dass der Zustand inzwischen als Krankheit anerkannt wird und die schuldhafte Beteiligung der/des Erkrankten dadurch ein wenig gemildert wird. Jedenfalls bleibt aber die Aufgabenstellung die Person zu stärken, ihr Fertigkeiten und Medikamente beizubringen, mit (Lebens-)Ängsten, Überforderung und Perspektivlosigkeit auf eine Weise umzugehen, die keine Zerstörungen mehr erkennen lässt.
Burnout-Seminare in denen gewerkschaftliche Kampfformen gelehrt wurden, verschiedene Möglichkeiten politischer Organisierung oder Beispiele von Sozialen Bewegungen besprochen wurden, sind bisher nicht bekannt. Obwohl es doch genau darum geht. Die (Arbeits-)Bedingungen so zu verändern, dass sie die Menschen in den ersten Schritten zumindest einmal ertragen können, ohne krank zu werden.
Aber, kann man einwenden, es geht doch wohl um einiges mehr, als die Arbeitsbedingungen, wenn viele Menschen an der Lebensweise und den gesellschaftlichen Gegebenheiten bis in ihre Persönlichkeit hinein scheitern.
Stimmt. Aber warum müssen wir eigentlich Kinder von einer außerschulischen Betätigung zur nächsten managen, irgendwie die Stunde im Fitness-Studio noch reinquetschen, unsere NetzwerkpartnerInnen (die schon lange keine FreundInnen mehr sind) durch Einladungen an der Stange halten und sollten ein bisschen von der Welt gesehen haben? Um uns allseitig zu entfalten? Um die (musischen) Talente der Kleinen auszuloten und zu entwickeln? Um die Gesellschaft Bekannter und geschätzter Menschen zu genießen?
Nein. Das sind Voraussetzungen uns am Arbeitsmarkt als halbwegs chancenreiche Einzelne bewegen zu können.
Also, finden sich Sozial- und LebenberaterInnen die Streikerfahrungen und Aktionsformen von Sozialen Bewegungen in Kursen bearbeiten wollen und eine Gewerkschaft die sie dann auch fördert?
P.S. Die Fragestellung aus dem Titel stammt von Elisabeth Ettmann, die bei einer Veranstaltung zu der u.a. Social Attac eingeladen hatte, in einem Vortrag über neuerliche Umstrukturierungen im Bereich des Fonds Soziales Wien berichtete.