KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Fair teilen – auch bei der Arbeitszeit

Für die IG-Metall in Deutschland jedenfalls ist die Forderung nach der 35-Stunden-Woche sonnenklar ...

Von Oliver Jonischkeit (16.2.2010)

„Fair teilen“ lautet das Motto, unter das der ÖGB sein Schwerpunktthema für 2010, die Umverteilung zwischen Arm und Reich, zwischen Vermögenden und Unternehmen einerseits und der grossen Mehrheit der Menschen andererseits, stellt. Untrennbar damit verbunden ist auch die Frage der Verteilung der Arbeit.

Während Österreich bei der realen Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftig­ten mit 43 Stunden zu den „Europameistern“ gehört, findet gleichzeitig Arbeitszeitver­kürzung nach dem Geschmack des Kapitals statt: über 320.000 Menschen sind beim AMS arbeitslos gemeldet, dazu kommen noch jene, die sich gar nicht melden, weil sie z.B. keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe haben. Gleichzeitig steigt der Anteil prekärer Arbeitsverhältnis­se, bei denen v.a. Frauen in der Regel unfreiwillig in geringfügige Beschäftigung oder Teilzeitarbeit abgedrängt werden, verbunden mit entsprechend niedrigen Einkommen.

Seit über zwanzig Jahren forderte der ÖGB die Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, freilich ohne massiven Druck zur Umsetzung zu entwickeln. Während dieser Zeit ist die Produktivität enorm gestiegen, nur in einzelnen Branchen kam es zu einer geringfügigen Verkürzung der Arbeitszeit, die über Arbeitszeitfle­xibilisierung und bescheidene Lohnabschlüsse ohnehin von den Beschäftigten wieder bezahlt wurde. Bereits auf dem letzten Bundeskongress hat sich der ÖGB von der langjährigen Forderung nach einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn verabschiedet, in der „Pressestunde“ des ORF bezeichnete ÖGB-Präsident Foglar diese „Uralt-Forderung“ als „sinnlos“ angesichts der vielfältigen flexiblen Arbeitszeitmodelle und der hohen Anzahl von prekär Beschäftigten. Dabei gehören gerade diese Beschäftigungsver­hältnisse bekämpft, die sofortige Einführung der 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich ist keineswegs sinnlos, sondern – verbunden mit der Verkürzung der täglichen Arbeitszeit – eine dringend notwendige Massnahme zur Neuverteilung der Beschäftigung. Sie kann angesichts der gestiegenen Produktivität der letzten Jahrzehnte ohnehin nur der Einstieg in die weitere Verkürzung zur 30-Stunden-Woche sein. Angesichts der Zahlen ist auch gleich die Einführung dieser bei vollem Lohn gerechtfertigt.

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