POSITIONEN & THEMEN
Die moderne Herbergssuche endet nicht am reichen Gabentisch
Von Josef Iraschko (13.1.2010)
Während im Evangelium über Maria und Josef von einfachen Menschen die Rede ist, Josef war ja bekanntlich Zimmermann, also wahrscheinlich nicht ganz so arm, wird in den diversen heutigen Liedern zur Herbergsuche von „gar armen Leut'“ gesprochen, die auf Grund ihrer Armut keine Unterkunft bekamen. Die dann reichlich Beschenkten, und so bekommt die ganze „Tragödie“ ihre christliche Botschaft, wurden für dieses skandalöse Verhalten der damaligen Reichtumsgesellschaft nicht erst im Himmel sondern direkt auf Erden entschädigt.
Zweitausend und neun Jahre später sucht eine Kollegin, sie steht Gott sei Dank nicht wie Maria unter dem Druck einer Schwangerschaft, seit gut einem halben Jahr eine Herberge, heute Wohnung genannt, die eigentlich nur zeitgemäß (Kategorie A), leistbar, und sicher (unbefristet) sein, ca. 50qm haben und im zweiten Bezirk liegen sollte. Im letzten Immobilien-Kurier werden solche Wohnungen nicht unter 500,00 bis 700,00 angeboten. Bei einem Gehalt von rund 1.000,00 als Alleinstehende ein ähnliches Unterfangen wie im Jahre Null unserer Zeitrechnung.
Zum Unterschied zur Bethlehem-Situation, wo das Wohnungswesen mehr urwüchsig existierte, haben wir diese unbezahlbaren Mieten heute, ausgehandelten politischen Entscheidungen zu verdanken: 1994 wurden von der damaligen SPÖ/ÖVP-Koalitionsregierung die Richtwertmieten und die generellen befristeten Mietverträge eingeführt. Die damit in Gang gesetzte Explosion der Wohnungsmieten von mehr als 300 Prozent bis zum heutigen Datum, wird weiterhin von der Politik geduldet, wenn nicht sogar gefördert. Die damaligen Argumente der Immobilienlobby, dass nur bei „gerechten“ (sprich freien Markt-)Mieten genügend Wohnungen gebaut und dann die Mietpreise sinken würden, wurden von der Immobilienbranche nie erfüllt. Warum auch? Handelt es sich bei einer Wohnung doch um ein nicht ersetzbares, also jederzeit extrem ausbeutbares Gut.
Viele AltmieterInnen haben gegenüber dem Wohnungsmarkt keine Meinung, sie sind ja (noch!) abgesichert. Die wirklichen Probleme haben diejenigen, die neu auf den Wohnungsmarkt treffen, also vor allem junge Menschen, Studierende und ImmigrantInnen.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis, ohne Wohnung gibt es keine adäquate Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das wissen nicht nur wir, das weiß auch „die Politik“. Wenn aber derzeit allein für Einstiegskosten 3.000,00 bis 5.000,00 hingeblättert werden müssen, und dann nur befristete Mietverträge zu bekommen sind, dann müsste eine halbwegs einsichtige Politik diesem Treiben der Immobilienbranche ein schnelles Ende bereiten. Es ist wichtig, gegen diese Politik das zentrale Kettenglied, die befristeten Mietverträge (und damit auch die jeweils zu erneuernden Einstiegskosten, wie Provisionen, Kautionen), anzupacken. Sie sind das eigentliche Übel und versperren für viele Menschen den Zugang zur eigenen Wohnung.
Zum Unterschied zur obigen christlichen Legende, werden die heutigen Wohnungssuchenden nicht mit Geschenken überhäuft, im Gegenteil: Sie werden brutal und mit Unterstützung der Regierung ausgeplündert.