KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Alles spricht für die einheitliche Schule

Von Walter Baier (10.1.2011)

In der ÖVP-Bildungspolitik regiert das reaktionäre Hinterwäldlertum wie eh und je. Das weiß man, und davon konnte man sich anhand einschlägiger Vorschlage der Partei in den letzten Wochen einmal mehr überzeugen.

Verländerung der Schulkompetenzen, Wiedereinführung der Aufnahmeprüfungen für den Eintritt in die Unterstufe des Gymnasiums und schließlich die im neuen, offiziellen Bil­dungskonzept der Partei enthaltene „Mittlere Reife“, die eine Aufnahmeprüfung beim theoretisch möglichen Übertritt von der in „Neue Mittelschule“ umbenannten alten Hauptschule in die Oberstufe des Gymnasiums einziehen soll.

Hätte die ÖVP dieses Konzept vor 50 Jahren vorgelegt, wäre die allenthalben geäußerte Wertung, es handle sich um einen „Schritt in die richtige Richtung“ möglicher Weise nachvollziehbar gewesen. Heute ist es nichts weiter als ein weiterer Anachronismus. Die PISA-Untersuchung und die vergangene Woche veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zur sozialen Gerechtigkeit verdeutlichen das. Stellt erstere dem österreichischen Schulsystem ein insgesamt vernichtendes Zeugnis aus, so zeigt Bertelsmann vor allem den elitären Charakter des österreichischen Bildungssystems auf. Der Zusammenhang zwischen Effizienz und sozialer Durchlässigkeit wird in den beiden Studien auch im Positiven erwiesen. Rangieren Island, Finnland und Dänemark bei PISA in den Spitzenrängen, so finden sie sich auch hinsichtlich der sozialen Durchlässigkeit an der Vorderfront. Anders ausgedrückt, kann als empirisch erwiesen gelten, was einem auch ein gesund-kritischer Hausverstand sagen würde, dass nämlich diejenigen Bildungssysteme die besseren sind, die die sozialen Unterschiede beim Bildungszugang nicht verfestigen, sondern reduzieren.

Die neuesten Vorschläge der ÖVP zielen, scheinbar wider jede Vernunft, in die Gegenrichtung. Ihr gesellschaf­tspolitischer Inhalt besteht darin, höhere Bildung weiterhin und vermehrt zum Privileg der herrschenden Klasse zu machen. Das betrifft natürlich auch die Inhalte. Nicht zufällig weist die PISA-Untersuchung als den Kern der erhobenen Leseschwäche der 15 und 16jährigen in Österreich eine mangelnde Fähigkeit des „Reflektierens und Bewertens“ des Gelesenen aus. Gezeigt wird dadurch, dass die allgemeine Bildungspolitik der ÖVP in erster Linie darauf zielt, billiges und williges Menschenmaterial für den Arbeitsmarkt bereitzustellen, selbst um den Preis eines kontinuierlich sinkenden, allgemeinen Bildungsniveaus.

Manche alte Wahrheiten bleiben somit auch im neoliberalen Zeitalter gültig: Wissen ist Macht, wusste die Arbeiterbewegung des vorigen Jahrhunderts. Und Bildungsfragen sind Klassenfragen. Zeit also, dass ArbeiterInnen­bewegung und Gewerkschaften die Definitionsmacht über die Billdungspolitik nicht der ÖVP oder wohlmeinenden Industriellen überlassen, sondern die Forderungen nach der einheitlichen Schule für alle bis zum 15. Lebensjahr und dem freien Hochschulzugang wieder zu ihrem ureigensten Anliegen machen.

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