KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Gleichberechtigung in der Führungsetage?

(14.1.2011)

Nicht nur in Tirol ticken die Uhren rückwärts, wenn es darum geht Frauen die gleichen Rechte und Chancen einzuräumen wie Männern. "Quote" ist dabei ein noch nie gehörtes Fremdwort.

„Frauen haben die Kühltechnik, die Zündhölzer und das Bierbrauen erfunden. Liebe Männer, denkt daran, wenn ihr euch ein kühles Blondes einschenkt und ein Zigarrel ansteckt. Das könntet ihr ohne uns nicht.“ Oder: „Frauen sagen manchmal Nein, meinen aber eh „Ja!“ Zwei der vielen skurrilen Phrasen, mit denen LR Zoller-Frischauf, zuständig für Frauenangelegen­heiten, bereits in den ersten Tagen dieses Jahres ihre völlige Ignoranz für eben diese bekundet. Und wohl auch ihre treue ÖVP-Linie demonstrieren will.

Einmal mehr stellt sie damit klar, warum sie kein Geld für die feministischen Frauenvereine ausgeben will, wohl aber auf der Website der Landesregierung ländliche, brave Frauengruppen ermutigt, um Subventionen anzusuchen. Setzen doch linke oder/und feministisch-aktive Frauen seit Jahren ihre Kampfreudigkeit und ihr Engagement dafür ein, dass das NEIN von Frauen endlich ernst genommen wird. Die älteren unter uns erinnern sich noch an die unzähligen Debatten früherer Jahre um Vergewaltigun­gsfälle: „Sie hat zwar Nein gesagt, aber Ja gemeint … Das machen die doch immer so, nein nur pro forma, in Wirklichkeit wollen sie eh …

Nun schreiben wir das Jahr 2011 und die LR glaubt noch immer, dass die Frauen JA meinen, wenn sie NEIN sagen und nur gutes Zureden bräuchten um Führungsjobs anzunehmen. Noch nie etwas von Mehrfachbelastung durch mangelnde Kinderbetreuung, durch Lernen mit ihren Kindern (weil die Schulen in Tirol bereits heute, da die jüngsten VP-Vorschläge zu einer Schulreform erst auf dem Papier stehen, ein extremes Ausleseverfahren praktizieren) gehört? Noch nie etwas über Geschlechterrollen gelesen, über Diskriminierung entziffert? Keinen Schimmer, was Sexismus bedeutet? Und das in Tirol?

Aber Zoller-Frischauf ist nur Ausdruck einer Politik, die so ist in Tirol wie sie ist. Dominiert von rechten Kräften (der FPÖ kann sowieso nichts zu rechts und zu patriarchalisch sein, einer SPÖ, die als Juniorpartnerin der ÖVP, schweigt oder pro forma das eine oder andere kritischen Sätzchen von sich gibt, weil sie froh ist, mitregieren zu dürfen, einer Kirche, die im ländlichen Raum noch immer eine dominierende Rolle spielt und deren alten Pfarrern sich von der neoliberalen Haltung ihres Bischofs absolut nicht beeinflussen lassen wollen.

So verwundert es nicht, dass im Sommer letzten Jahres der Vorstoß der EU-Justitzkommisarin Vivane Reding, dass bis 2020 zwanzig Prozent der Posten in den Führungsetagen von Frauen besetzt werden sollen, laut Tiroler Tageszeitung vom 16. Juli, in Tirol auf breite Ablehnung stießen: Angefangen vom Wirtschaftskam­merpräsidenten über dessen Vizepräsidentin bis zur LR Zoller Frischauf sind sich alle über eine Negierung gesetzlicher Maßnahmen einig und die Argumente sind wohl bekannt. Sie halten unisono alles von Freiwilligkeit und Qualifikation und absolut nichts von Quoten.

Womit wir wieder am Anfang wären. Dass Wirtschaftsherren – oder Frauen – Bankvorstände und Finanzchefs Frauen nur insoweit interessant finden, als sie ihren wirtschaftlichen oder sonstigen Interessen dienen, muss wohl – auch wenn wir dagegen ankämpfen – eingeräumt werden. Aber dass eine Landesrätin, die beauftragt ist, die Interessen der Frauen zu vertreten dies tut, ist schon gar nicht mehr zu akzeptieren.

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