KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Hundstorfers Schubumkehr

Von Josef Stingl (12.4.2011)

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) will künftig die Ausbildungsgarantie für Jugendliche in eine Ausbildungspflicht umwandeln. Der Unterschied: Gibt es trotz Ausbildungsgarantie für junge Menschen keine Berufsausbildung, hat die Politik versagt – gibt es aber bei einer Ausbildungsverpflichtung Jugendliche ohne Berufsausbildung, dann sind sie selbst schuld …

… diese „Schubumkehr“ ist dem „sozial“demokra­tischen Sozialminister so wichtig, dass er falls alle Stricke reißen Strafsanktionen wie z.B. die Streichung der Familienbeihilfe andachte!

Wenig verwunderlich: Er erntet größten Applaus von seinem „Sozialpartner“ Leitl. Sind es doch die Unternehmen, die nicht bereit sind genügend Ausbildungsplätze anzubieten, dafür aber ständig nach billigen, von Arbeitsbewilligung, Rotweißrot-Card, etc. abhängigen FacharbeiterInnen gieren.

Tragisch ist aber, dass viele Jugend- und ArbeitnehmerIn­nenvertreterIn­nen auf den „Hundstorfer-Schmäh“ hereinfallen. Seine Ausbildungsgarantie hat sich als Schuss ins Leere herausgestellt, in den meisten Branchen gibt es nach wie vor weitaus mehr Lehrstellensuchende als freie Lehrstellen. Da helfen auch nicht die (McJobs)-Schmalspurlehren, noch die Transitausbil­dungsstätten diverser – oft dubioser – Vereine und Projekte.

Mit seinem neuesten „Geniestreich“ lässt Hundstorfer allen ausrichten, dass er der Meinung ist, dass viele mit 15 ohnehin noch nicht wirklich wissen, was ihr eigentliches Karriereziel ist. Dafür kann die Gesellschaft nichts, und daher haben die Jugendlichen auch kein Recht der Gesellschaft auf der Tasche zu liegen! Hundstorfers setzt daher auf „ordentliche Beschäftigungs-, pardon Ausbildungspo­litik“: Das faule Jugendpack ist „sinnvoll“ mit der „Ausbildung“ irgendeines Berufs – und zwar eines, den „die Wirtschaft“ gerade frei hat (Anm: dzt. KöchIn, KellnerIn, …) – zu beschäftigen. Und bei jenen, die sich der Zwangs-Ausbildungsver­pflichtung verweigern, wird den Eltern die Familienbeihilfe gestrichen. So kriegen sie, aus dem herrschenden ökonomischen Rahmenbedingungen heraus, gleich noch den Druck „ihrer Alten“ zu spüren und werden praxisnah an den herrschenden Alltag gewöhnt: Nicht arbeitswillig – Streichung der Arbeitslosen, Streichung der bedarfsorientierten Mindestsicherung, …

Die Lösung des gordischen Knotens wäre dabei einfach: Ein JA zur Ausbildungsver­pflichtung, aber einer für die UnternehmerInnen mittels einer verpflichtenden Ausbildungsquote! Wer sich nicht daran hält muss zu Gunsten überbetrieblicher Lehrwerkstätten einen progressiv gestalteten Beitrag in einen Ausbildungsfond einzahlen. So könnte die Ausbildungsgarantie für die Jugendlichen sinnvoll belebt werden.

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