KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Tüchtig und fleißig: Es lohnt sich!

Von Josef Stingl (17.1.2011)

An einem kleinen Rechenbeispiel rund um die Tiroler Milchwirtschaft wir das kapitalistische Wirtschaftssystem schön nachvollziehbar.

Die Geschichte der Tiroler Milchwirtschaft ist eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Die Tiroler Milchbauern hatten seinerzeit für die Weiterverarbeitung ihres „weißen Saftes“ eine eigene Molkereigenos­senschaft gegründet – im Jahr 1935. Allerdings seit dem Beitritt zur EU und der damit verbundenen Marktüberschwemmung mit Billigpreispro­dukten kämpft man mit einem stetig sinkenden Milchpreis. Bis in die Anfänge dieses Jahrtausends fand man auch entsprechend kreative Antworten auf diese marktwirtschaf­tliche Herausforderung (wie z.B. mit neuen Produktideen). Aus mehreren Gründen ging es dann allerdings kontinuierlich BERGAB. Die meist üblichen schwarzen Zahlen und die gewohnt vernünftigen Milchabgabepreise verschwanden langsam aber sicher von der Bildfläche …

Im August 2009 war es dann soweit: Die Genossenschaf­tsbosse konnten (und mussten?) der „Müllermilch“ den tüchtigen und fleißigen Wunderwuzzi, namens Carl-Albrecht Benker, abspenstig machen und als neuen Geschäftsführer bei „Tirol Milch“ engagieren. Als dann allerdings nur ein Jahr später(!) der Vorstand mit einer Bergland-Fusion liebäugelte, aber besagter Ex-Müllermilch-Mann Benker nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollte, avancierte er zum großen Buh-Mann und wurde – natürlich bei vollem Gehalt – der Geschäftsführung enthoben. Sechs Monate durfte er somit ohne Gegenleistung bis zum Ende des Dienstverhältnisses einmal im Monat sein Gehaltskonto entleeren. Sein endgültiger Abgang wurde ihm „natürlich“ mit einer Prämie von 150.000 Euro als Abfertigung etwas leichter gemacht. „Leistung“ muss sich ja irgendwie bezahlt machen … (zumindest für Einige …

Als weniger „tüchtig und fleißig“ gelten offensichtlich die etwas mehr als viertausend Tiroler Milchbauern. Sie bekommen von ihrer Genossenschaft für einen Liter gelieferter Milch gerade mal 35 Cent. Wollten sie also auf ein Einkommen in der Höhe Benkers Abfertigung kommen, müssten sie dafür schon mindestens 500.000 Liter des begehrten „weißen Saftes“ liefern.

Eine Milchkuh gibt durchschnittlich 15 bis 40 Liter Milch am Tag; das sind ca. 7.500 Liter im Jahr; sie kann höchstens 15 Jahre zur Milchgewinnung eingesetzt werden. In summa heißt das 100.000 Liter Milch pro Kuh. Hat ein Tiroler Milchbauer also fünf davon, braucht er nur fünfzehn Jahre lang warten und „so nebenbei“ die Kühe sieben Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr, nur mehr etwas füttern und melken, den Stall misten, sie auf die Alm bringen, … um die 150.000 Euro sein Eigen nennen zu können.

Findet er das aber nicht so fein und will den Vertrag mit seiner Genossenschaft auflösen, dann bekommt eventuell auch er auch eine Abfertigung: nämlich einen Tritt in den Ar…

PS: Wenn man jetzt die viel umkämpften 35 Cent pro Liter Milch betrachtet, die man derzeit „großzügig“ dem Bauern überlässt, stellt sich wohl oder übel die Frage warum wir KonsumentInnen für die gleiche Menge Milch rund eine halbe Million Euro bezahlen! In welchen Taschen die „überschüssigen“ 350.000 Euro „versickern“?

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