KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Bruchlandung

Von Manfred Bauer (12.1.2012)

Der neue Chef der Austrian Airlines (AUA) will auf Kosten der Beschäftigten einen radikalen Sparkurs fliegen.

Die rhetorischen Manöver und das modernistische Gestammel, mit der AUA-Vorstandschef Jaan Albrecht, geradewegs vom Lufthansa-Stützpunkt Frankfurt eingeflogen, in der ZIB2 vom 10. Jänner sein Sparprogramm zu umschreiben versuchte, glich einem kakophonen Brechdurchfall: Da wurde über „dynamische und kreative Lösungen“ geschwätzt, über „neue und phantasievolle Erlösverteilungen“, vor allem aber über eine „Modernisierung der Kollektivverträge“.

Auf Nachfrage von ZIB2-Moderator Armin Wolf, was denn unter einer „Modernisierung der Kollektivverträge“ eigentlich zu verstehen sei, rückte Albrecht endlich mit der Wahrheit heraus; doch selbst diese musste dem ständigen Aquaplaning auf der Zunge des neuen AUA-Bosses erst abgerungen werden: Es seien vor allem die „Altlasten“ aus dem Bereich Löhne und Gehälter, die vom radikalen Sparkurs betroffen seien; diese „Handschellen“, die der AUA angelegt seien, würden schleunigst entfernt werden.

Die 5.800 Mitarbe­iterInnen, so Albrecht, müssten sich eben auf eine weitere Gehaltsreduktion (nach einer fünfprozentigen Reduktion im Jahr 2008) einstellen, auf das Ende „struktureller Faktoren“ wie etwa eine „fixe Inflationsabgel­tung“ oder auf die Suspendierung „automatischer Gehaltssprünge in den fünf existierenden Kollektivverträgen“. Überdies habe er vor, auch die Flugbeschränkung für Piloten aufzuweichen, also zentrale Sicherheitsstan­dards im Flugwesen.

Der Personalstand, der in den letzten vier Jahren um fast 2.000 Mitarbeiter gesunken ist, würde durch den Verkauf von elf Flugzeugen weiter sinken, zumal als Ersatz lediglich der Ankauf sieben neuer Maschinen geplant sei. Damit sowie mit dem Kostenreduzie­rungsprogramm bei den Beschäftigten würde es gelingen, die AUA neuerlich zu einem kommerziellen Steigflug zu animieren. Denn nur auf diese Weise könne ganz Österreich wieder „voll Stolz“ auf „seine heimische Fluglinie“ blicken.

Und so gelang dem ebenso geschwätzigen wie kaltschnäuzigen „AUA-Sanierer“ am Ende des Interviews das, was von Anfang an beabsichtigt war: Die Einbindung der AUA in den nationalen Kanon durch die rhetorische Inszenierung der Fluglinie als eines der zentralen Wahrzeichen des Landes, auf das mensch wie selbstverständlich „stolz“ sein müsse.

Stolz würden in jedem Fall die privaten Eigentümer sein, die als Einzige vom radikalen Sparkurs und dem dadurch erwarteten Produktivitätsschub profitieren würden.

Betriebsrat und Gewerkschaft haben bereits angekündigt, auf den geplanten neuen Kurs mit Betriebsversam­mlungen und Streiks reagieren zu wollen. Bleibt zu hoffen, dass durch diese politischen Maßnahmen der „Sanierungsflug der AUA“ (© Jaan Albrecht) eine Bruchlandung hinlegt; zumal, da echte Sparmaßnahmen wie Dividendenausschüttun­gen trotz Defizits, überhöhte Vorstandsgehälter, Privilegien für First-Class sowie Business-Class-Passagiere und vieles anderes nicht einmal angedacht werden.

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