KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Die Steigbügelhalterinnen

Von Bärbel Danneberg (3.8.2012)

Vermehrt werfen sich in jüngster Zeit Frauen in die Bresche der Maskulinisten. Ob es die Männerpartei ist, die gegen den „menschenfein­dlichen Feminismus“ zu Felde zieht und eine „Gleichstellun­gssprecherin“ vor ihren patriarchalen Karren spannt; ob es die FPÖ-Stadträtin Brigitte Kashofer aus Wiener Neustadt ist, die dem dortigen Frauenhaus Unterstützungsgel­der verwehrt, weil Frauenhäuser an der „nachhaltigen Zerstörung von Ehen und Partnerschaften maßgeblich beteiligt“ seien1); oder ob es der „Der Standard“ ist, der in einem Kommentar („Monika Ebeling: „Von der Goldmarie und falschen Idealen“ , 27.7.2012) einen Rundumschlag gegen den Feminismus abdruckt … Es ist immer das gleiche Bild: Frauen sprechen im Namen ihrer (Partei-)Herren und werden, sozusagen als Zeuginnen ihres Geschlechts, ideologisch eingespannt für frauenfeindlichste Äußerungen und Handlungen.

Besonders perfid ist die Schuldumkehr, dass Frauen, die vor männlicher Gewalt in Frauenhäuser flüchten, für den Familienzerfall verantwortlich gemacht werden. Oder dass Frauen, die keinen Rosenkrieg über die Kinder austragen wollen, als „feministische Kriegshetzerinnen“ bezeichnet werden. Soweit mir bekannt ist, hat der „Standard“ meinen Leserinnenbrief nicht abgedruckt2). Daher hier an diesem Ort meine Empörung über die unverfrorenen Behauptungen von Frauen als verlängertes Sprachrohr ihrer Hintermänner gegen Frauenrechte und Selbstbestimmung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieser höchst überflüssige “Standard“- Beitrag von der Sozialpädagogin Monika Ebeling in Ihrer Kommentar-Rubrik geht geflissentlich am Problem der „Gemeinsamen Obsorge“ vorbei und verfolgt in Verknüpfung mit dem Thema „Frauenquoten“ offensichtlich das niedere Ziel, eine „Jahrhundertkeule“ gegen „feministische Kriegshetzerinnen“ zu schwingen. Was möchte uns Frau Ebeling eigentlich sagen? Wenn ich es richtig verstanden habe, möchte sie einem nach ihrem Verständnis „feministischen Hexenkessel“ in der Obsorge-Debatte etwas entgegensetzen, ohne Argumente zu nennen. Ihre einzige Beweisführung gegen die von ihr angeprangerte „lila Faust“ liefert ausgerechnet ein braungebrannter Pilot, der durch die Gegend jettet, während seine Frau mit dem Neugeborenen zu Hause sitzt. Bei seiner Rückkehr sind Frau und Kind fort – in ein Frauenhaus geflüchtet. Warum wohl? Das erinnert fatal an die Äußerung von H.C. Straches F-Funktionärin in Wiener Neustadt, Frauenhäuser würden Familien zerstören.

Mit welchem Recht muss sich der Vater „bewähren und rechtfertigen“, fragt Frau Ebeling. Hier noch einmal ein bissel Nachhilfe: Selbst wenn Männer eine Auszeit nach der Geburt ihres Kindes nehmen, dauert das für 71,9 Prozent maximal ein halbes Jahr. Nur 6,4 Prozent der Männer unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit wegen des Kindes und nur 31 Prozent der Frauen bekommen bei der Kinderbetreuung Unterstützung durch den Partner. Im Jahresschnitt 2010 erhielten 44.524 Kinder einen Unterhaltsvorschuss (Statistik Austria), das heißt, väterliche Drückeberger sind nicht nur beim Kinderbetreuen, sondern auch bei den Alimentationszah­lungen für den Nachwuchs auszumachen.

Dieser Tatbestand, dass nämlich von konservativer und reaktionärer Seite den Frauen und Müttern all die unangenehmen, anstrengenden und berufshindernden Seiten der Kinderversorgung zugewiesen werden, während Väter z.B. braungebrannt durch die Gegen jetten können, hat zur Folge, dass Frauen im Berufsleben weniger Bodenhaftung haben. „Niemand wird eine motivierte, talentierte, toll ausgebildete Frau vor der Tür stehen lassen“, wagt Frau Ebeling zu behaupten. Das kann, angesichts höherer weiblicher Bildungs- und Ausbildungsab­schlüsse, wohl nur heißen: Frauen sind zu doof, um daraus Karrieren zu basteln. Oder vielleicht doch: Frauen werden strukturell und individuell daran gehindert, ihre Talente auch außerhalb des Kinderzimmers zu entfalten? Da könnten Frauenquoten schon mal etwas weiterbringen, die aufgestellten Hürden leichter zu nehmen.

Noch einmal zurück zur „Gemeinsamen Obsorge“: Der Vater, Frau Ebeling, muss sich ebenso wie die Mutter bewähren, und zwar zum Wohle des Kindes und nicht, um Rosenkriege zu führen. Ja, es gibt sie, die Väter, die sich um ihren Nachwuchs kümmern, die (nicht nur finanziell) für ihr Kind sorgen, sondern die, karenziert oder nicht, die Windeln wechseln und nachts am Bett des kranken Kindes sitzen. Die eben auch die ganz vielen unangenehmen oder anstrengenden Seiten von Betreuungspflichten wahrnehmen, die also umfassend das Wohl ihres Kindes im Auge haben und dafür keinen Richterspruch brauchen. Aber ehrlich, diese Sorte Vater ist noch immer rar. Ihr Beitrag, Frau Ebeling, trägt leider nicht dazu bei, diese Zahl zu erhöhen.

1) Es regt sich Widerstand. In Wiener Neustadt wurde z.B. Freitag gegen die skandalösen Äußerungen der FPÖ-Stadträtin Kashofer demonstriert und deren Rücktritt gefordert.

2) Einen Tag nach erscheinen unseres Beitrags ist der Leserbrief jetzt auch im Standard, Kommentar der Anderen erschienen: Frauen in der Kinderzimmer-Falle

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