KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Rassistisch und auf Trennung setzend!

Von Hilde Grammel (16.1.2013)

Schulpolitik: Die Einführung eines Zweiklassen-Sprachensystems ist Politik auf Kosten migrantischer Kinder

Anfang des Jahres informierten die Wiener Stadtschulrat­spräsidentin Susanne Brandsteidl und Integrationssta­atssekretär Sebastian Kurz die Öffentlichkeit über ihr Vorhaben, eigene Vorschulklassen für Kinder zu schaffen, die bei Schuleintritt noch nicht ausreichend Deutsch können. Damit verlieren migrantische Kinder gleich ein oder sogar mehrere Schuljahre, bevor sie noch die Schule richtig begonnen haben.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass sich die SPÖ – wie schon Jahre lang – von der FPÖ die Politik vorschreiben lässt und dass auch eine Regierungskoalition mit den Grünen in Wien sie nicht daran hindert.

Dabei wären „nur“ mehr Ressourcen nötig, um Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache entsprechend zu fördern. In Schweden etwa haben migrantische Kinder ein Recht auf Unterricht in ihrer Muttersprache – was auch den Zweitspracherwerb erleichtert und sichert, wie Expert/innen nicht müde werden zu betonen –, in Kanada gibt es eigens auf die Bedürfnisse dieser Kinder zugeschnittene persönliche Förderprogramme. Modelle wie diese werden in Österreich konsequent abgelehnt und ignoriert, obwohl sie nachweislich erfolgreich sind, was einmal mehr den rassistischen und auf Trennung setzenden Charakter der österreichischen Politik und Gesellschaft sichtbar macht. Zu Recht sprechen die Grünen von „Ghetto-Klassen“ und betonen, dass das Schulsystem Kinder zusammenbringen und ein Miteinander ermöglichen sollte.

Alle Reden von der Wertschätzung anderer Kulturen, zu der Kinder erzogen werden sollen und wie es mittlerweile auch in den Lehrplänen verankert ist, erweisen sich angesichts dieser Realitäten und Praktiken nämlich bloß als Schall und Rauch. Den sonst zur FPÖ abwandernden Wählerinnen und Wählern müssen eben Opfer gebracht werden, denkt sich die SPÖ.

SOS-Mitmensch kritisiert, ebenfalls zu Recht, dass die Sprachkompetenz von Kindern nicht auf ihre Deutschkenntnisse reduziert werden darf, wodurch alle anderen Sprachen und Kompetenzen, die Kinder bis zum Schuleintritt erworben haben, abgewertet werden.

Die FPÖ ihrerseits jubiliert geradezu ob dieses Einschwenkens der SPÖ auf ihre Linie. Dabei ist das, was die FPÖ als Durchsetzung ihrer bildungspolitischen Forderungen feiert, nichts als eine Fortschreibung der ohnehin schon bekannten und für diese Partei typischen rassistischen Haltung und Praxis. Kindern mit den nicht vorhandenen Mitteln ausreichend Deutsch beibringen zu wollen, bevor sie in die Schule eintreten ist aus zweierlei Gründen der falsche Ansatz: Erstens, weil in einer mehrsprachigen EU nicht nur eine Sprache als „besser, überlegen“ etc. angesehen werden darf und zweitens, weil damit noch immer das Grundproblem nicht gelöst ist, dass Sprachstrukturen zuerst in der Muttersprache erworben werden müssen, sollen sie auch in der Zweitsprache (im Deutschen) dann beherrscht werden. Wozu dieser Vorschlag der FPÖ tatsächlich führt ist somit eine Fortschreibung der Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen mit nicht-deutscher Muttersprache im Bildungssystem und in der Gesellschaft insgesamt, da aufgrund der fehlenden Gewährleistung des ausreichenden muttersprachlichen Spracherwerbs auch die Zweitsprache über einfache Strukturen hinaus nicht erlernt werden kann.

Problemschüler/in­nen und Schulabbrecher/in­nen werden nicht aufgrund des Fehlens von als ausreichend angesehenen Deutschkenntnissen zum Zeitpunkt des Schulunterrichts geschaffen, sondern auf Grund des mangelnden politischen Willens zur gleichberechtigten Förderung von Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache.

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