KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Von Vollbeschäftigung kann keine Rede sein

Von Karin Antlanger (9.4.2008)

Kein Grund zum Jubeln besteht aus der Sicht der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt aus zweifacher Hinsicht: Erstens ist die offiziell ausgewiesene Arbeitslosigkeit zwar mit Stand von Ende März 2008 gegenüber 2005 nach nationaler Berechnung von 7.8 auf 5,8 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit 1992 gesunken, damit aber immer noch fast dreimal so hoch wie 1980 (2,1 Prozent). Zweitens wird damit aber der Trend zur Prekarisierung verdrängt, indem zunehmend Vollzeitarbeit­splätze durch atypische und Teilzeitbeschäfti­gung ersetzt werden.

Ein „Wir sind haarscharf an der Vollbeschäftigung dran“ wie Arbeitsminister Bartenstein (ÖVP) tönt, ist daher höchst unangebracht. Laut EU-Bemessung beträgt die Arbeitslosigkeit in Österreich nämlich nur 4,1 Prozent und drei Prozent gelten als Vollbeschäftigung: „Aber 210.456 Arbeitslose zuzüglich 55.912 aus kosmetischen Gründen zur Beschönigung der AMS-Bilanz ausgelagerte Schulungsteil­nehmerInnen sind in Summe um eine Viertelmillion Arbeitslose zuviel“, stellt dazu GLB-Bundesvorsitzende Karin Antlanger fest.

Laut Statistik Austria stieg die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden von 7,11 auf 7,25 Milliarden Stunden um zwei Prozent, da aber die Zahl der Erwerbstätigen von 2006 auf 2007 von 3,93 auf 4,03 Millionen um 2,5 Prozent wuchs, sank die pro Erwerbstätigen geleistete durchschnittliche Arbeitszeit in Jahresfrist von 34,8 auf 34,6 Stunden pro Woche, was den Trend zur Prekarisierung bestätigt.

Der GLB vermisst eine klare Ansage von ÖGB und Arbeiterkammer für eine Arbeitszeitver­kürzung, wie sie seit 1987 von jedem ÖGB-Kongress gefordert wurde: Laut Arbeiterkammer leisten 748.500 Österre­icherInnen 7,04 Millionen Überstunden wöchentlich, was umgerechnet auf eine 40-Stundenwoche 175.900 zusätzl­ichen Arbeitsplätzen entspricht. Außerdem weist Österreich laut Eurostat mit 44,1 Wochenstunden nach Griechenland (44,3) die zweitlängste reale Wochenarbeitsze­it auf.

„Es ist geradezu pervers, wenn auf der einen Seite ein Teil der Berufstätigen immer länger arbeiten muss, auf der anderen aber immer mehr Menschen in Teilzeitarbeit oder zweifelhafte atypische Beschäftigung getrieben werden oder überhaupt keine Arbeit haben und als Draufgabe verschärften Restriktionen des AMS unterliegen“, meint Karin Antlanger.

Der GLB sieht eine rasche Arbeitszeitver­kürzung daher neben einer Stärkung der Kaufkraft zur Erhöhung der Inlandsnachfrage durch eine aktive Lohnpolitik und steuerlicher Entlastung der Durchschnittsver­dienerInnen bei der Lohnsteuer sowie ein wirksames öffentliches Beschäftigungspro­gramm durch gezielte Investitionen in beschäftigungsin­tensive Bereiche wie Wohnbau, Nahverkehr, erneuerbare Energie usw. als wesentlichste Instrumente um tatsächlich zu einer Vollbeschäftigung zu kommen, welche diesen Namen auch verdient.”

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