POSITIONEN & THEMEN
LIF-Plakat für den Nationalratswahlkampf 2008Von Roland Steixner (3.9.2008)
Als ich von der Rückkehr von Heide Schmidt in die Politik erfuhr, war ich in
gewisser Weise gespalten. Ich hatte sie als Politikerin damals sehr geschätzt.
Ihr Engagement für das bedingungslose Grundeinkommen und für die
Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher PartnerInnenschaften sind zweifellos
Verdienste, die in einem konservativen Land wie Österreich von unschätzbarem
Wert waren und nach wie vor sind. Ihre Ansage, niemals mit den Rechten zu
koalieren, ist glaubwürdig. Ich muss auch gestehen, dass ich Heide Schmidt bei
den Präsidentschaftswahlen 1998 meine Stimme gegeben habe – eine
Entscheidung, die mir angesichts der damaligen Alternativen nicht allzu schwer
fiel.
Die Haltung Schmidts zur Neutralität Österreichs habe ich jedoch nie geteilt.
Die Tatsache, dass Schmidt die Abschaffung der Neutralität befürwortet, hat
mich daran gehindert, jemals das LIF zu wählen. Man mag ihre Position in diesem
Punkt immerhin als ehrlich bezeichnen, was ihr im Gegensatz zu den Grünen, die
sich hier vom LIF nicht unterscheiden, hoch anzurechnen ist. Das macht ihre
Haltung in meinen Augen jedoch nicht richtiger. Auch wenn die Neutralität
Österreichs nur mehr auf dem Papier besteht, was von Schmidt richtig erkannt
wird, ist die logische Konsequenz nicht die Abschaffung der Neutralität. Es
wäre ja ebenso absurd, die Menschenrechtskonventionen abschaffen zu wollen,
nur weil diese nur theoretisch gelten und sie nahezu überall verletzt werden.
Vielmehr sollte die Frage sein, welche Rolle die Neutralität Österreichs bei
internationalen Friedensbemühungen haben könnte. Neutrale Länder könnten
etwa internationale Abrüstungsmaßnahmen fördern oder bei Konflikten eine
vermittelnde Rolle einnehmen. Dies nicht sehen zu wollen, ist dem Liberalen
Forum vorzuwerfen.
Auch die Tatsache, dass das LIF den Vertrag von Lissabon ausdrücklich
befürwortet, ist eine Umstand der jedeN, der/die sich internationale Abrüstung
wünscht, erschrecken sollte. Denn der EU-Vertrag sieht eine
Aufrüstungsverpflichtung für alle EU-Mitglieder vor – eine Tatsache, die
vor allem die Grünen vergeblich leugnen. Die Befürwortung dieses Vertrags
allerdings passt zum LIF, ebenso wie die einst von ihnen geführte
Pro-GATS-Kampagne (GATS bezeichnete einen Vertrag über den freien Handel mit
Dienstleistungen). Wer sich für den Erhalt der Neutralität Österreichs
ausspricht, der wird vom LIF enttäuscht werden. Wer sich für den Erhalt des
öffentlichen Eigentums ausspricht, der dürfte ebenfalls sein blaugelbes Wunder
erleben. Dass die Forderung des LIF nach Verteilungsgerechtigkeit ernst
gemeint sind, ist nicht gesichert.
Sicher dagegen ist, dass eine Stimme für die KPÖ für den Erhalt und Ausbau
der Neutralität Österreichs steht. Sicher ist, dass eine Stimme für die KPÖ
eine Stimme für den Erhalt des öffentlichen Eigentums und den Ausbau der
Sozialleistungen ist. Sicher ist, dass eine Stimme für die KPÖ eine Stimme
für ein bedingungsloses Grundeinkommen und für gleiche Rechte für alle
unabhängig von ihrer Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung ist.
Klar ist, dass die KPÖ die sichere Alternative ist.