KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

NATO: Kapitalismus und Solidarität

Von Samuel Edelstein (12.6.2011)

Wenn das Thema Krieg und damit verbundenes Leid nicht so ernst und traurig wäre, könnte sich so manche*r bei der Kritik des US-Verteidigungsmi­nisters ein hämisches Grinsen nicht verkneifen. Die Bündnispolitik als vom Kapitalismus angetrieben zu entlarven – eine jahrzehntelange Feststellung der Linken landauf, landab – erlaubte

sich nun der scheidende Republikaner aus Obamas Kabinett.*) Ein satirischer Kommentar.

Amerika kann sich, aufgrund seiner Überschuldung, keine weiteren Kriege mehr leisten.

Nun müssen wir also voller Mitleid ein Kerzchen im Herrgottswinkerl aufstellen. Die NATO: Am Ende! Wegen Geldmangels. Und mangelnder Solidarität. Gut, das mangelnde Geld könnten die Europäer schon beisteuern, denn im Gegensatz zum Dollar besitzt der Euro trotz Griechenland, Irland und Portugal immer noch Reste von innerem Wert, während selbst wohlgesonnenen afrikanischen Diktatoren mittlerweile Gold oder Diamanten als Bestechungsgeld willkommener sind als die inflationär gedruckten grünen Scheine mit der Illuminatenpy­ramide.

Und dann erdreisten sich die transatlantischen Knechte auch noch fortwährend Widerstand gegen wohldurchdachte Militäraktionen in rohstoffreichen Regionen zu leisten, obwohl diese sich ja, bei entsprechendem Einsatz selbst refinanzieren würden. Haben die Europäer denn nichts gelernt aus all den Revolutionen auf ihrem Kontinent? Dass Solidarität mit dem Hegemon das Allerwichtigste ist zum Beispiel?

Weinerlich treten in billige Fetzen gekleidete, hungernde Vertreter der US-Regierung vor die Kameras und erinnern an all die armen Waffenproduzenten und Rüstungslobbyisten der westlichen Welt, die demnächst am Hungertuch nagen werden. Und was wird aus den Prothesenfabri­kanten und den Flüchtlingshel­ferInnen? Müssen sich etwa idealistische junge ÄrztInnen nunmehr mit unbezahlten Praktika in Detroit begnügen, anstatt für Ärzte ohne Grenzen von Streubomben zerfetzte Kinderkörper in wärmeren Gefilden behandeln zu dürfen? Muss nun gar, Gott – der barmherzige Waffensegner – bewahre, darüber nachgedacht werden, das Militär generell abzuschaffen? Man stelle sich vor: Millionen von gehirngewaschenen Kampfmaschinen drängen auf einen ohnehin prekären Arbeitsmarkt. So viele Plätze werden selbst in der dafür prädestinierten Schlachthausbranche nicht frei sein – Qualifikation hin oder her.

Was aber den weinerlichen Verteidigungsmi­nister noch mehr zu wurmen scheint, als die Tatsache, dass weite Teile der Welt die Schnauze voll von Kriegen haben, ist die schlichte Tatsache, dass der NATO das selbe Schicksal droht wie dem Warschauer Pakt. Zerfall aus Mangel an Geld.

Und nicht mal vom ideologischen Gegenpol totgerüstet sondern an der eigenen Mentalität gescheitert.

Alle die schon 1991 auf die Selbstauflösung dieses Verteidigungsbündnis­ses, welches seit damals übrigens permanent Angriffskriege führt, warteten, sehen sich ungerechterweise bestätigt. Nun kann Amerika also nur noch in Peking anrufen und um Erlaubnis fragen, wenn wieder mal irgendwo ein Staat mit fetten Rohstoffvorkommen und dünner Besiedelung der Eroberung harrt. Atommächte ausgenommen. Der grösste Feind des Kapitalisten ist sein Gläubiger – der bestimmt schliesslich wo´s langgeht. Und derzeit besteht halt einfach kein Bedarf nach weiteren Abenteuern unter dem Sternenbanner, die letzten sind noch nicht vorbei und die Erfahrungen daraus machen selbst strenggläubige Interventionisten zu Zweiflern am Imperialismus.

Nehmen wir die Neocons also beim Wort Gottes und beten wir dafür, dass nach Einsetzen der Hyperinflation in Amerika auch Essensmarken an jene ausgeteilt werden, die immer gegen Sozialleistungen dieser Art eingetreten sind.

*) Gates' Nato-Schelte: Amerika will nicht mehr den Zahlmeister geben : „Es war eine Abrechnung, wie man sie selten hört. US-Verteidigungsmi­nister Gates wirft den Nato-Partnern Versagen vor, droht indirekt gar einen Rückzug aus dem Bündnis an. Die Brandrede zeigt Frust mit den Europäern – aber vor allem eins: Die hochverschuldeten USA können nicht mehr Weltpolizist spielen.“ (Spiegel online)

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