POSITIONEN & THEMEN

Von Manfred Bauer (12.3.2012)
Was auf den ersten Blick wie ein großzügiger Schuldenschnitt aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als Golden Haircut für die Privatgläubiger, darunter griechische Geldinstitute oder Bankmultis wie die Deutsche Bank. Denn ihre alten Ramschpapiere wurden in neue, wesentlich sicherere Anleihen umgetauscht. Der Schuldenschnitt-Profit der betroffenen Banken und Investorengruppen besteht schlicht darin, dass sie längst Griechenland-Anleihen entweder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geparkt oder bereits abgeschrieben haben und nun neue Hellas-Papiere besitzen. So hat zum Beispiel die deutsche Allianz-Gruppe in ihrer fetten Bilanz Griechenland-Anleihen von 1,3 Milliarden Euro bereits 2011 auf 310 Millionen Euro abgeschrieben. Durch den Tausch erhält sie neue Anleihen, die einen Wert von über 600 Millionen Euro repräsentieren; deren Zinssatz ist mit bis zu 4,3 Prozent doppelt so hoch wie für vergleichbare sichere Geldanlagen, etwa US-Staatspapiere.
Nun kann das zweite Rettungspaket der Euro-Staaten ausbezahlt werden, wobei die erste Tranche zum überwiegenden Teil gleich einmal an die griechischen Banken geht, ein kleinerer Teil an französische und deutsche.
Die europäischen Notenbanken profitieren insofern vom Schuldenschnitt, als die in ihrem Besitz befindlichen griechischen Staatsanleihen von jeglicher Abwertung ausgenommen sind. Und die so genannten Kreditversicherer (etwa die Deutsche Bank), die mit Credit Default Swaps, den handelbaren Kreditversicherungen, Millionen- und Milliardengewinne gemacht haben, bleiben ebenfalls ungeschoren: Sie haben die Versicherungsprämie eingestreift, ohne für den Versicherungsfall auch nur einen Cent bezahlen zu müssen.
So dürfen und werden die Spekulanten also weiter zocken, und der Schuldenschnitt hat sich für alle Beteiligten wahrlich als Golden Haircut erwiesen für alle, außer für die griechische Bevölkerung.